„Fürs Visualisieren muss ich zeichnen können“ – oder etwa doch nicht?!

„Fürs Visualisieren muss ich zeichnen können“ – oder etwa doch nicht?!

Lesezeit: ca. 12 Minuten | aktualisiert: 22.09.2021

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, dass du zum Visualisieren Zeichenkenntnisse brauchst. Aber: Funktionelle Visualisierung unterscheidet sich grundlegend von der künstlerischen Zeichnung.

Bei funktioneller Visualisierung im Job geht es Anschaulichkeit, ums Verstehen und Verstanden werden. Es geht nicht ums Zeichnen, es geht um Kommunikation:

  • Um das Vermitteln von Ideen in einer Präsentation,
  • um das Klären von Fragen in einem Gespräch,
  • um das Erschließen von Lerninhalten für eine Prüfung.

Visualisierung in diesen Anwendungen ist zweckgebunden und zielgerichtet. Das unterscheidet sie von freien, künstlerischen Zeichnungen. Bei denen steht die Ästhetik im Mittelpunkt, bei funktioneller Visualisierung die Bedeutung.

Die Frage bei Visualisierung ist also: „Wie kann ich die Bedeutung klarmachen?“ und nicht: „Wie zeichne ich es besonders hübsch?“.

1. Visualisierung braucht keine Zeichnungen

Das Visuelle an visuellen Notizen ist die visuelle Struktur:

brainwriting-mindmap-visuelle-notiz © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Das Visuelle an einem visuellen Tagesplan ist die visuelle Struktur:

anleitung-visueller-tagesplan © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Das Visuelle an visuellen Planungsmethoden ist die visuelle Struktur:

Notizbuch und Klebezettel als Start für einen sortierten Aufgabenspeicher

Alle drei Anwendungen sind praktische Beispiele visuellen Denkens und visuellen Arbeitens. Es sind Beispiele aus dem Alltag, bei denen es um Effizienz und Klarheit geht. Alle drei Anwendungen kommen prinzipiell OHNE Zeichnungen aus. Sicher, es schadet nicht, wenn sie Symbole oder Grafiken enthalten – notwendig ist es aber absolut nicht!

Besser, du nutzt das Prinzip der visuellen Struktur ganz ohne Zeichnungen und machst dir so das tägliche Arbeiten leichter, statt aus Sorge vor der eigenen (vermeintlichen) „zeichnerischen Talentlosigkeit“ Visualisierung als Werkzeug gar nicht zu verwenden.

Lass dich nicht einschüchtern von einem falsch verstandenen Anspruch an die Ästhetik: Wenn du deine Gedanken auf einem Blatt visuell strukturierst, dann machst du sie:

  1. sichtbar und
  2. räumst du sie auf.

Alles, was aufgeräumt ist, trägt eine eigene Ästhetik in sich. Ästhetik beim Visualisieren ergibt sich durchs Ordnen, nicht durchs Zeichnen.

2. Visualisieren bedeutet optisch strukturieren

Visuelle Struktur bedeutet, sich vom rein linearen Schreiben (und Denken und Organisieren) zu lösen. Du denkst mehr in der Fläche, vergleichbar mit einer Landkarte. Es bedeutet, dass du wichtige Aufgaben zum Beispiel größer darstellst als unwichtige und ihnen damit optisch mehr Fläche einräumst. Oder dass du zusammengehörige Informationen auch räumlich näher zusammenstellst.

Visuelle Struktur gibt Orientierung auf den ersten Blick.

Punkte in einer linearen Liste erscheinen visuell oft gleichwertig (Spiegelstrich + Text), auch wenn sie das inhaltlich vielleicht gar nicht sind. Außerdem passiert es beim Runterschreiben einer Liste ganz schnell, dass Inhalte, die eigentlich miteinander zu tun haben, nicht zusammenstehen, sondern kreuz und quer in der Liste verteilt sind.

Die menschliche Wahrnehmung kommt mit Listen schlechter klar als mit geclusterten Informationen, wenn es ums Verstehen geht.

Bei einer visuellen Struktur bist du frei, bestimmten Aspekten mehr Raum zu geben oder sie optisch zu gewichten. Springen deine Gedanken zwischen verschiedenen Themen hin und her, hast du die Möglichkeiten, alles passend zuzuordnen, weil du nicht untereinander schreibst, sondern auf dem Blatt verteilt. Prioritäten, Muster und Zusammenhänge erschließt du dir damit viel einfacher und schneller.

visuelle-struktur © Viktoria Cvetković bebildert.eu

3. Visuelle Struktur braucht keine Zeichnungen

… sondern einfache Gestaltungsprinzipien. Struktur in visuellen Notizen heißt aufräumen und das Auge so zu lenken, dass klar ist, in welcher Reihenfolge es die Inhalte betrachten soll. Visuelle Hierarchie ist da das Stichwort.

Bei einem linearen Text gibt es nur eine Leserichtung. Bei einer flächigen, nicht rein linearen Aufteilung springt das Auge auf dem Blatt ersteinmal von Punkt zu Punkt. Mithilfe der visuellen Hierarchie gibst du dem Auge Orientierung. Du legst du fest, welche Punkte die Hauptrolle spielen, welche eine unterstützende Nebenrolle haben und in welcher Reihenfolge sie betrachtet werden sollen. Du priorisierst Inhalte und Elemente und zeigst so, welchen visuellen Weg das Auge gehen soll. Diese bewusst gesetzten Punkte dienen als visuelle Anker.

Folgende Elemente helfen dir, eine visuelle Hierarchie herzustellen:

Größe

Ist etwas größer als der Rest, wird es automatisch als wichtiger empfunden. Das ist zum Beispiel durch die Verwendung von GROSSBUCHTABEN möglich, aber auch einfach durch größer geschriebene Buchstaben. Solche Inhalte heben sie sich visuell von der restlichen Notiz deutlich ab und lenken die Aufmerksamkeit und das Auge.

Kontrast

Kontraste ziehen ebenfalls mehr Aufmerksamkeit auf sich. Bei Schrift kann das zum Beispiel durch die Wahl eines dickeren Stiftes passieren oder durch das Nachzeichnen von Buchstaben. Auch Weißraum kann helfen, Kontraste herzustellen. Das sind die freien Flächen, wo nichts steht. Dabei lässt du um eine »Inhaltsinsel« (also etwa einen Textblock) herum bewusst Platz. Wenn nicht alles eng zusammensteht, hilfst du dem Auge zu erkennen, wo ein Inhalt aufhört und der andere anfängt. Durch Weißraum kannst du Inhalte sehr einfach voneinander trennen.

Farbe

Mit Farbe kannst du das Auge ebenso lenken. Achtung: Es gibt einen Unterschied zwischen farbig und bunt. Wenn du es sehr klar haben willst, dann benutze eher nur zwei, maximal drei Farben. Hervorragend für die Orientierung ist es, wenn du bestimmten Farben eine eigene, feste Bedeutung in deinen Notizen zuordnest.

Zum Beispiel könnte Orange für eigene Ideen stehen, Blau für wichtige Fakten, Gelb für Dinge, die du noch erledigen musst, Grün für schon Erledigtes.

visuelle-hierarchie © Viktoria Cvetković bebildert.eu

4. Einfache Formen statt komplexer Zeichnungen

Mit Linien, Rahmen und Pfeilen kommst du unglaublich weit, wenn du visuell Bedeutung und Verständnis schaffen willst. Dafür brauchst du keine einzige bildhafte Zeichnung, keine Symbole und keine Piktogramme. Einfache Formen reichen völlig aus, um Inhalte verständlich darzustellen. Das kann schon ein schnell gezeichnetes Rechteck als Textrahmen sein oder Pfeile als Verbinder.

pfeile-verbinder © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Auch wenn du etwas sehr spezifisches ausdrücken möchtest, kannst du die Visualisierung dazu sehr einfach halten. Stell dir vor, wie fasziniert dein Publikum wäre, wenn du diese einfachen Grafiken in deine PowerPoint-Präsentation einbaust und den folgenden Text einfach dazu sprichst, statt ihn auf die Folie zu setzen:

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

5. Auch Symbole leben von der Einfachheit

Symbole sind sehr reduzierte, einfache Zeichnungen. Sie bilden nicht die Natur ab, sondern ein Klischee, eine holzschnittartige Repräsentation, eine Verallgemeinerung. Der Vorteil: Sie sind leicht erkennbar, weil sie nur das absolut Notwendige umfassen. Je mehr Details, desto länger muss sich unser Gehirn damit beschäftigen. Je weniger (unnötige) Details, desto schneller sind wir im Erkennen. Wenn es dir also wichtig ist, dass sich die Bedeutung schnell erfassen lässt, solltest du es einfach halten.

einfach-oder-komplex © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Auch für Symbole musst du nicht künstlerisch zeichnen können. Es ist vollkommen ausreichend, wenn es erkennbar ist. Schauen wir uns mal ein Beispiel an:

Wodurch wird ein Vogel erkennbar?

Oder anders gefragt: Woran erkennst du, dass etwas ein Vogel ist und keine Giraffe, Lokomotive oder Haus? Wodurch unterscheidet sich ein Vogel von den genannten Dingen?

Wie wäre es damit: Schnabel, Flügel, Füße oder die Körperform als Silhouette. Reduzierst du dich auf wesentliche Merkmale, kommst sehr leicht auf ein mögliches Symbol für „Vogel”. Je weniger unnötige Details du hast, desto symbolhafter und desto einfacher zu zeichnen ist ein Vogel. Es ist keine Amsel, kein Storch, kein Habicht. Es ist die Oberkategorie Vogel.

kritzel-vogel © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Übrigens: Auch und gerade(!) in der Logo-Entwicklung ist Vereinfachung ein wichtiges Prinzip. Schließlich geht es auch hier um sofortige Wiedererkennbarkeit:

twitter-logo-evolution

Evolution des Twitter-Logos, gefunden auf justcreative.com

Das Schöne ist: Für Visualisierungen im Beruf brauchst du normalerweise nur Oberkategorien. Du brauchst also nicht detailliert zeichnen zu lernen, sondern kannst auf das zurückgreifen, was du schon kennst und in dir trägst: Dein erworbenes Symbolsystem.

„Hää? Wie jetzt?”

Ja, ja, auch du hast eines. 😀 Fakt ist: Unser persönliches Symbolsystem eignen wir uns in unserer Kindheit an. Wenn du also als Vierjährige gezeichnet hast, kannst du ohne Probleme visualisieren.

6. Nicht zeichnen zu können ist ein Vorteil

Das Problem, dass ich in meinen Visualisierungskursen immer wieder feststelle, ist nicht, dass jemand nicht realistisch zeichnen kann. Die eigentliche Herausforderung ist, zu akzeptieren, dass es für funktionelle Visualisierung tatsächlich nicht mehr braucht als die (reaktivierte) symbolhafte Kinderzeichnung. Und die ist nun mal nicht realistisch, sondern reduziert.

Genau dieses Reduzierte in der Kinderzeichnung kommt dir vielleicht plump vor, irgendwie „nicht richtig“ etc. Dahinter steckt der Wunsch, wirklichkeitsgetreu zeichnen zu können. Diesen Wunsch entwickeln so ziemlich alle alle Kinder mit etwa zehn bis elf Jahren. Bekommen sie dann nicht gut genug gezeigt, wie das geht, ist das genau das Alter, in dem die meisten aufhören zu zeichnen. Die meisten Erwachsen in den „westlichen“ Kulturen kommen nie weit über das Niveau hinaus, das sie als Neun- bis Zehnjährige erreicht haben. Kinder zeichnen wie Kinder, und die meisten Erwachsenen zeichnen ebenfalls wie Kinder – und zwar unabhängig davon, wie weit sie es in anderen Lebensbereichen gebracht haben.

visualisieren-wie-ein-kind © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Die gute Nachricht: Das, was uns das Zeichnenlernen schwermacht, macht uns gleichzeitig das Visualisieren mit Symbolen einfach: Das Symbolsystem, das wir in unserer Kindheit zwischen ungefähr dem zweiten und dem zehnten Lebensjahr entwickelt haben.

Wie das?

Von Kindheit an haben wir gelernt, Dinge zu benennen. Du wirfst einen kurzen Blick auf etwas und sagst: „Stimmt, das ist ein Vogel (Stuhl, Baum, Regenschirm, Hund usw.)“. Damit aktivierst du das verbale System in deinem Gehirn. Diese Hirnregion wünscht sich nicht zu viele Informationen über wahrgenommene Dinge – gerade genug, um sie wiederzuerkennen und zu kategorisieren.

Ein großer Teil der kontextuellen Wahrnehmung wird ausgeblendet, beim Vogel beispielsweise die Struktur des Gefieders oder die spezifische Form des Amselschnabels. Das ist ein notwendiger Prozess, der dir erlaubt, deine Aufmerksamkeit zu bündeln. Sehr effizient also.

Diese im Kopf verankerten Symbole machen uns das künstlerische Zeichnenlernen schwer. Statt zu beobachten, wie etwas wirklich aussieht, greifen wir auf das  vereinfachte Konzept in unserem Kopf zurück. Das Wissen gewinnt die Oberhand über das Sehen.

Und genau das machen wir uns bei funktionellen Visualisierungen zu nutze: Unser Wissen. Die bereits vorhandenen generischen Konzepte im Kopf. Wir müssen nicht den Turmfalken zeichnen lernen, uns reicht „der Vogel an sich“.

7. Üben, üben, üben

Um beispielsweise den Vogel aus dem Kopf zeichnen zu können, brauchst du Übung. Untersuchungen legen nahe, dass dafür rund 50 Wiederholungen nötig sind. Je seltener du ein Symbol nutzt, desto häufiger musst du es üben, um es bei Bedarf aus dem Handgelenk schütteln zu können.

Die Alternative dazu ist, dir einen Spickzettel mit einer Handvoll für dich nützlicher Symbole anzulegen. Dafür brauchst du werder Talent noch Zeichenkenntnisse, sondern das Wissen aus deiner Kindheit und den Willen zur Umsetzung. 

Du brauchst noch ein bisschen mehr Anleitung? Dann lade dir meine kostenlose Starthilfe herunter:

Darin findest du nur die absolut notwendigen Elemente für visuelle Notizen. Für dich vorgefiltert und ausgewählt, damit du sofort starten kannst. Inklusive Vorlage für deinen persönlichen Spickzettel.

Ich wünsche dir viel Spaß damit!

Zum Weiterlesen:

was-sind-visuelle-notizen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Was sind visuelle Notizen?

Im Artikel gehe ich auf die acht wichtigsten Punkte ein und zeige dir, was wichtiger ist als zeichnen.

Talentfrei Blog Sketchnote © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Fühlst du dich talentfrei?

Wie du funktionelle Visualisierungen (z. B. Sketchnotes) ganz ohne Zeichnungen für deine Arbeit nutzen kannst.

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Was ist Visualisierung?

Was ist Visualisierung?

visualisieren lernen © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Lesezeit: ca. 6 Minuten | aktualisiert: 29.07.2021

Visualisierung verwende ich als Überbegriff für alle Varianten des visuellen Denkens, Präsentierens, Dokumentierens und Erkundens. Visualisieren heißt für mich, Inhalte mit Stift und Papier sichtbar zu machen. In anderen Bereichen, z. B. Medizin, Psychologie oder Architektur, hat der Begriff andere Bedeutungen.

Visualisierung kann Symbole, kleine Grafiken und Zeichnungen umfassen – muss es aber nicht.

Visualisierung umfasst eine große Bandbreite

Von einzelnen Symbolen, die du in Bild-Wort-Kombinationen nutzen kannst, um Wichtiges hervorzuheben und einprägsamer zu gestalten…

strukturierter-arbeiten-anleitung-visueller-tagesplan-statt-to-do-liste © Viktoria Cvetković bebildert.eu

… über Gedankenskizzen, bei denen du spontan und ohne ästhetischen Anspruch deine Ideenfindung begleitest, …

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Schlüsselbilder (z. B. in Präsentationen auf Flipchart oder in PowerPoint), anhand derer du ein abstraktes Konzept erklären kannst, …

visualisieren lernen © Viktoria Cvetković bebildert.eu

visuellen Notizen, mit denen du für dich relevante Inhalte reduziert, kontextbezogen, lesbar und prägnant festhältst, …

was-sind-visuelle-notizen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Ideen-Mapping, bei dem du einen Planungsprozess in kleinere Einheiten zerlegst, Wissen sammelst, sortierst und neu gruppierst, um daraus sinnhafte Strukturen zu bilden, …

anschaulich praesentieren © Viktoria Cvetković bebildert.eu

… bis hin zu Graphic Recordings, bei denen auf großen Wandbildern Vorträge oder Dialogprozesse während der Veranstaltung in Echtzeit abgebildet werden.
Aber Achtung: Das ist ein eigenes Berufsbild und braucht entsprechend viel Übung (eher Jahre als Wochen…). Das ist also nichts, was man sich in Büchern, Internetvideos oder in Wochenendworkshops beibringen kann.

Visualisierung ist keine Kunst, sondern eine erlernbare Kulturtechnik

Sie kann die Art, wie wir denken, lernen, arbeiten und erklären, revolutionieren. Das Schöne ist: Alle Menschen, die sehen können, beherrschen sie – die meisten, ohne es zu wissen. Für Visualisierung braucht es weder eine graphische Ausbildung noch ein besonderes Talent. Wer als Kind gezeichnet hat, kann visualisieren.

Es ist wie eine zweite Muttersprache, die etwas holprig wird, wenn du sie lange nicht mehr genutzt hast, die sich aber supereinfach reaktivieren lässt. Es braucht nur ein Bewusstsein für die Strategien, die du intuitiv als Kind schon genutzt hast, um einfach so vor dich hin zu zeichnen.

zeichnen wie ein kind © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Visualisierung macht Wissen sichtbar

Nimmst du einen Stift in die Hand und fängst an aufzuzeichnen, gibst du unsichtbaren Gedanken, flüchtigen Ideen und abstrakten Konzepten eine konkrete, sichtbare, greifbare Form. Das hilft dir unter anderem dabei, deine Ziele zu erreichen.

Mit der visuellen Sprache kannst du die Grenzen der verbalen Sprache, die sich in linearem Sprechen und Schreiben ausdrückt, erweitern. Durch Visualisierung öffnest du einen zweiten Wahrnehmungskanal. Der visuelle Kanal bietet ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten als der verbale. Im Gehirn kommt quasi „doppelt“ so viel Information an, die du reflektieren, überprüfen und mit deinen Gedanken in Resonanz bringen kannst.

visualisieren lernen © Viktoria Cvetković bebildert.eu

Es gibt viele Zugänge zur Welt der Visualisierung

Du kannst über Suchmaschinen das Internet nach Bildideen durchforsten und abzeichnen, was dir auf den Bildschirm kommt. Du kannst dir Anleitungsvideos anschauen oder sogenannte „Business-Symbole“ aus Büchern Strich für Strich nachmalen. Das ist für den Einstieg erstmal gut, reicht aber nicht aus, um die visuelle Sprache wirklich zu beherrschen.

Die meisten Interessierten bleiben aber genau an dieser Stelle der stecken. Das ist so, als würdest du beim Schreibenlernen nicht über das Stadium eines Grundschülers hinauskommen, der Buchstaben abmalt – und nicht in der Lage ist, selbst Wörter oder eigene Sätze zu bilden. Oder sogar kleine Geschichten zu schreiben.

Deswegen bin ich eine leidenschaftliche Vertreterin von visueller Alphabetisierung. Menschen zu befähigen, unabhängig von den Vorgaben anderer IHRE Art der visuellen Sprache zu entdecken und nach ihren eigenen Bedürfnissen weiterzuentwickeln, finde ich essenziell.

Wir leben im Informationszeitalter und die meisten von uns sind Wissensarbeiter. Wenn Visualisierung die „Weltsprache des 21. Jahrhunderts“ ist, wie der Informationswissenschaftler Robert E. Horn in seinem Buch „Visual Language“ darlegt, können wir es uns nicht leisten, visuelle Analphabeten zu bleiben.

Deswegen folgen meine Trainings nicht dem „Abmalprinzip“, sondern ich zeige dir, wie visuelles Denken funktioniert, wie du Kreativitätstechniken gewinnbringend einsetzt und wie du mit wenig Aufwand selbst auf einzigartige visuelle Ideen kommst.

Hast du Lust auf ein intensives Visualisierungstraining mit mir?

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Damit du dich und dein Wissen von der besten Seite zeigen kannst!

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Gedankenskizzen – schnell erklärt

Gedankenskizzen – schnell erklärt

gedanken-skizzen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Lesezeit: 7 Minuten | aktualisiert: 24.05.2021

Lass uns heute mal auf eine besondere Form von visuelle Notizen schauen: die Gedankenskizzen.

Was sind Gedankenskizzen?

Gedankenskizzen sind im Grunde die kleinen Schwestern von visuellen Notizen. Sie passen locker auf eine Moderationskarte, ein A6-Notizblockblatt oder einen Klebezettel. Sie transportieren einzelne Informationshäppchen. In der Regel enthalten sie nur einen einzigen Gedanken oder Zusammenhang.

Gedankenskizzen sind eine einfache Visualisierungstechnik, die sich derselben Elemente bedient wie visuelle Notizen auch (Text, Linien, Rahmen, Pfeile, Symbole, Farbe). Bei ihnen geht es aber noch nicht darum, alle Gedanken strukturiert zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, sondern erst einmal zu erkunden, was da ist und wohin die Reise gehen kann. Sie konzentrieren sich jeweils auf einen Kernpunkt.

Gedankenskizzen – ein Beispiel aus dem Alltag

Mein Vater ist Handwerker und tüftelt gerne neue Dinge aus. Viele meiner Möbel, vom Schreibtisch bis zum Sofa, hat er selbst entworfen und gebaut. Jedes Mal, wenn es mit der Planung losging, haben wir uns am Küchentisch zusammengesetzt und besprochen, wie wir uns das neue Möbelstück jeweils vorstellen.

Es hat sich als sehr hilfreich erwiesen, die Ideen direkt von Anfang an mit ein paar Strichen aufs Papier zu bringen, um nicht aneinander vorbeizureden. Wenn zwei Leute über „ein Bücherregal mit sechs Einlegeböden“ sprechen, können sie nämlich sehr unterschiedliche Bilder dazu im Kopf haben:

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Wäre blöd, wenn das Missverständnis erst beim Zusammenbauen in der Wohnung auffällt…

Gedankenskizzen – noch ein Beispiel aus dem Alltag

Diese Klarheit ist mir auch wichtig, wenn ich mit einer Kundin spreche, um für sie ein individuelles Training zu entwickeln. Wir reden dann oft über abstrakte Prozesse und Konzepte wie Resilienz, Change-Management, Mediation, Agilität, Bürgerbeteiligung oder Friedensarbeit.

Um zu verstehen, womit ich meiner Kundin am besten helfen kann (beispielsweise, was sie von mir genau an Trainingsinhalten braucht, um als Verwaltungschefin einen dreitägigen Planungsworkshop für ihre Mitarbeitenden in visuell starken Arbeitsplakaten umsetzen zu können), fange ich nach spätestens drei Minuten an, diese Konzepte grob aufzuzeichnen.

Oft sind das nicht mehr als ein paar Kästchen und Kreise mit Pfeilen. Aber sie machen ein körperloses, begriffliches Konstrukt wie „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ überhaupt erst einmal auf dem Papier sichtbar und (be-)greifbar.

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Ein paar Striche genügen, um einen Gedanken auszudrücken, zwei miteinander zu verbinden oder das eigene Verständnis zu überprüfen: „Sprechen wir gerade über einen iterativen Prozess? Verstehe ich es richtig, dass wir mindestens drei Testschleifen brauchen, um zu wissen, ob das Konzept funktioniert?“

Und schon kommen wir ganz anders miteinander ins Gespräch. Vielleicht sagt meine Kundin dann: „Genau! Aber jetzt, wo ich das so sehe, fällt mir auf, dass der Knackpunkt genau hier liegt.“

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Wozu kannst du Gedankenskizzen verwenden?

Das Beschränken auf den einen wichtigen Gedanken macht Gedankenskizzen besonders gut geeignet zum (Er)-Klären, Lehren und Präsentieren:

  • Du kannst eigene Gedanken klären, indem du schnell eine Idee festhältst. Oder mehrere Ideen sammelst, jede auf einem eigenen, kleinen Zettel. So kannst du dir Klarheit über einen Sachverhalt verschaffen und die Ideen dann leichter weiterentwickeln.
  • Du kannst im Gespräch mit einer anderen Person überprüfen, ob ihr euch richtig verstanden habt, und dann von einem gemeinsamen Punkt aus eure Gedankengänge weiterverfolgen.
  • Du kannst ein komplexes Thema in einzelne Punkte herunterbrechen und Schritt für Schritt (Gedankenskizze für Gedankenskizze) erklären – in einem Gespräch auf einem Blatt Papier, beim Teammeeting auf dem Flipchart, in großer Runde in einer PowerPoint-Präsentation.

(Das haben Gedankenskizzen übrigens mit richtig guten Präsentationsfolien gemeinsam: Pro Folie nur ein Gedanke.)

gedanken skizzieren © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Das Wichtigste zusammengefasst…

Gedankenskizzen bilden also nicht das große Ganze ab – anders als eine visuelle Notiz, die oft als Übersicht aller möglichen Zusammenhänge oder Abläufe dient – sondern konzentrieren sich auf einen Kernpunkt.

Gedankenskizzen sind ein Ideenkatalysator, um einzelne Ideen, Fragen und Lösungsansätze sichtbar zu machen. Entweder nur für dich selbst, spontan im Gespräch mit anderen, oder fertig vorbereitet auf Präsentationsfolien oder einem Flipchart, um anderen Menschen dein Anliegen Schritt für Schritt zu verdeutlichen.

Mit Gedankenskizzen kannst du ein gemeinsames Verständnis herstellen und deinen Gesprächspartner:innen einen Anknüpfungspunkt bieten:

„So sehe ich das auch!“

„Dieses Detail habe ich noch nicht verstanden!“

„Wenn wir das weiterdenken, bedeutet das Folgendes: …“

… und ein schöner Nebeneffekt

Und wenn deine eigenen Gedankenskizzen zwar lesbar aber nicht perfekt sind, dann hat dein Gegenüber vielleicht auch den Mut, einfach selbst den Stift in die Hand zu nehmen und die eigenen Gedanken ebenfalls mit ein paar schnellen Strichen sichtbar zu machen.

Ist mir in den letzten Jahren jedenfalls schon ein paar Mal passiert: Ich stehe nach meiner Präsentation in der Konferenzpause an der Kaffeebar und komme mit einem Zuhörer ins Gespräch. Wir unterhalten uns eine Weile, dann schaut er sich suchend um, verlangt von der Barista einen Kugelschreiber und erklärt mir schließlich auf einer fleckigen Papierserviette, warum er einen bestimmten Punkt aus meinem Vortrag anders sieht als ich.

Mir geht dann immer das Herz auf – nicht, weil wir unterschiedlicher Meinung sind, sondern weil diese spontane Skizze oft begleitet wird von einem halb entschuldigend, halb stolz gemurmelten: „Ach, ich probiere das jetzt auch mal…“

Ein weiterer Schritt zur visuellen Alphabetisierung des Abendlandes! 😉

 

Erzähl mal – bist du auch eine Gedankenskizzierin? Oder hast du jetzt Lust bekommen, eine zu werden? So oder so, ich freu mich, von dir zu lesen! Hinterlasse mir einfach deine Nachricht in den Kommentaren! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

Ich helfe dir, mit visuellen Notizen Zusammenhänge sichtbar zu machen, Wissen zu sichern und im Gedächtnis zu verankern.

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Meine 5 besten Tipps für visuelle Notizen

Meine 5 besten Tipps für visuelle Notizen

tipps-visuelle-notizen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Lesezeit: 7 Minuten | aktualisiert: 14.05.2021

Wenn du gerne pragmatisch und zeitsparend arbeitest, dann bist du hier richtig. 🙂 Die folgenden Tipps bilden die Basis für anschauliche und verständliche visuelle Notizen, egal um welches Thema es inhaltlich geht.

Tipp 1: Sorge für eine lesbare Handschrift in deinen visuellen Notizen

Deine Handschrift ist dein wichtigstes Werkzeug. Während es ziemlich egal ist, mit was für einem Stift du schreibst, ist es absolut entscheidend, dass du lesen kannst, was du aufgeschrieben hast. Im Zweifel auch noch zwei Wochen später. Und auch, wenn du mal sehr schnell mitschreiben musstest.

Visuelle Notizen sind Notizen und Text ist immer der wichtigste Informationsträger in Notizen. Sorge dafür, dass die Informationen lesbar sind. Wenn sie es nicht sind, sind sie für dich verloren und hast dir umsonst die Mühe gemacht, sie aufzuschreiben.

Die Frage nach dem Stift ist trotzdem berechtigt. Vielleicht hast du auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich deine Handschrift verändert, je nachdem womit du schreibst.

stifte-aendern-handschrift © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Der Punkt ist, dass ich mit allen drei Stiften in der Lage bin, leserlich zu schreiben. Deswegen spielt die Stiftwahl am Ende nicht die entscheidende Rolle für eine gut lesbare Notiz.

Tipp 2: Lege das Blatt quer

Hast du dich schon einmal gefragt, warum alle möglichen Präsentationsflächen – von der Kinoleinwand über Plakatwände, Computermonitore und Fernsehbildschirme – im Querformat sind?

Querformate können wir besser erfassen. Das menschliche Gesichtsfeld ist ein Querformat (genauer gesagt, ein horizontales Oval), denn unsere Augen sind nebeneinander angeordnet. Für visuelle Notizen empfehle ich daher auch das Querformat.

lege-blatt-quer © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Dass wir es gewohnt sind, Papier im Hochformat zu beschreiben, hat einen praktischen Grund, der aus der Verwaltung kommt: Es lässt sich abgeheftet im Aktenordner platzsparender verwahren – die Regale müssen nicht so tief sein und der aufgeschlagene Ordner auf dem Tisch braucht auch weniger Platz in der Breite.

Ein Hochformat eignet sich super für lineare Listen, visuelle Notizen folgen aber einer anderen inneren Logik. In ihrer Struktur ähneln sie eher Landkarten (und sie sind häufig auch Gedanken-Landkarten), auf denen wichtige Punkte verzeichnet sind, die zum Beispiel miteinander verbunden oder voneinander getrennt sein können. Analog zu Städten, Straßen und Ländergrenzen. Das ist visuell in der Fläche gedacht, macht so Zusammenhänge klarer und die Notiz letztlich übersichtlicher.

Aus meiner eigenen Erfahrung gesprochen: Ich habe gefühlt mehr Platz auf einem Blatt, das quer vor mir liegt. Ich bin noch nicht dahintergekommen, warum das so ist. Natürlich bleibt die verfügbare Fläche exakt gleich, egal wie herum ich das Papier drehe. Trotzdem komme ich besser mit dem Platz zurecht und die Aufteilung fällt mir leichter.

Tipp 3: Beantworte die Frage »Für WEN ist deine visuelle Notiz?«

Machst du sie ausschließlich für dich selbst oder müssen andere Menschen sie auch verstehen können? Das entscheidet darüber, ob deine Notiz mehr oder weniger aufwendig sein muss.

Matrix Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Wenn nur du sie verstehen musst, kannst du die Inhalte viel knapper aufschreiben. Du kannst nach Herzenslust eigene Kürzel verwenden. Und du brauchst gerade nur noch so deutlich zu schreiben, dass du selbst deine Schrift lesen kannst.

Auch in puncto Ressourcen kannst du es dir einfach machen und einfach die Rückseite des verunglückten Ausdrucks nutzen, statt ein frisches Blatt Papier zu verwenden. Außerdem darf dein gedanklicher Aufwand geringer sein, denn du bist deine eigene „Zielgruppe“ und weißt, dass du nur genau aufschreiben musst, was dich selbst interessiert.

Wenn du vorher schon weißt, dass deine Mitschrift auch für andere Menschen nachvollziehbar sein muss, ist der Aufwand oft höher (und der Anspruch auch). Der Anspruch an die Lesbarkeit deiner Schrift steigt.

Beispielsweise, wenn du einer Klientin die wichtigsten Punkte aus eurem Coaching gleich mitgeben möchtest, dann sollte sie damit auch wirklich etwas anfangen können. Eine saubere Handschrift ist ein Muss. Die Nachvollziehbarkeit der Inhalte auch: Keine kryptischen Kürzel, dafür Übersichtlichkeit und Klarheit. Du musst dich schon beim Aufschreiben in ihre Lage versetzen. Es ist dein Job, die Notiz so zu gestalten, dass die Inhalte und die Zusammenhänge für deine Klientin eindeutig sind.

Tipp 4: Beantworte die Frage »WOFÜR ist deine visuelle Notiz?«

Auch dieser Punkt entscheidet mit darüber, wie viel Zeit und Energie du in deinen Aufschrieb investierst.

Welchen Zweck soll deine Notiz erfüllen? Willst du damit für eine Prüfung lernen? Den Inhalt einer Besprechung dokumentieren? Argumente sammeln, um dich auf ein Gespräch vorzubereiten? Die Inhalte eines noch zu schreibenden Textes brainstormen? Einen Tagesplan machen? Ein ganzes Seminar durchplanen?

Was machst du mit der Notiz, nachdem du sie erstellt hast? Wie lang ist ihre „Lebensdauer“? Bewahrst du sie über Jahre auf, weil sie ein Dokument ist? Wirfst du sie weg, sobald du alle Punkte darauf erledigt hast? Arbeitest du mit ihr weiter, weil sie zu einem größeren Prozess gehört?  Gibst du sie an andere weiter?

All das hat Einfluss darauf, wie aufwendig oder einfach, wie umfangreich oder knapp eine Notiz jeweils sinnvollerweise ist.

Nicht alle Notizen sind gleich. Manche dürfen guten Gewissens schluderiger sein als andere. Dir vorher den Zweck klarzumachen, hilft dir, nur so viel Energie reinzustecken wie nötig.

Tipp 5: Nutze nur einfache Symbole

Gefühlt gehe ich in jedem Artikel darauf ein, dass eine visuelle Notiz auch ohne Symbole eine visuelle Notiz ist. 😉

Dabei habe ich gar nichts gegen Symbole oder einfache Grafiken. Im Gegenteil – Bilder in Notizen (also die Kombination aus Wort und Bild) sind ein sehr wirkmächtiges Werkzeug. Wenn du sie richtig einsetzt, dann dienen sie als visuelle Anker.

Sie leiten das Auge in der richtigen Reihenfolge über das Blatt. Sie fallen auf, sie lenken Aufmerksamkeit auf sich, unser Gehirn kann sie schneller erfassen als Text und speichert sie als zusätzlichen Informationsbaustein ab. Kurz: Symbole machen Inhalte merkfähiger.

Damit sie das gut tun können, sollten sie möglichst einfach sein. Einfach im Sinne von reduziert auf das Wesentliche. Je einfacher sie sind, je weniger ablenkende Details sie enthalten, desto schneller sind sie erfassbar. Und gleichzeitig sind sie dann auch leichter und schneller zu zeichnen.

symbole-einfach-komplexer © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Kannst du mit diesen Tipps etwas anfangen? Was davon setzt du jetzt schon konsequent um? Und hast du weitere Tipps, du gerne teilen möchtest? Erzähl mir gerne in den Kommentaren davon, ich freu mich auf deine Nachricht! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

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Was sind visuelle Notizen?

Was sind visuelle Notizen?

Was sind

visuelle

Notizen?

 

 

 

 

 

 

 

Lesezeit: 9 Minuten | aktualisiert: 06.05.2021

Visuelle Notizen sind handschriftliche Aufzeichnungen, die landkartenartig strukturiert sind und das Wichtigste auf den Punkt bringen.

Eine andere Bezeichnung für visuelle Notizen sind Sketchnotes. Nach über 15 Jahren als „Sketchnoterin“ und vier Jahren als „Sketchnote“-Trainierin habe ich mich bewusst dafür entschieden, statt Sketchnote lieber visuelle Notiz zu sagen.

Was sind also visuelle Notizen genau?

1. Visuelle Notizen sind Notizen.

Das häufigste Missverständnis, das mir begegnet, klingt in etwa so: „Ach, das sind doch diese Zeichnungen.“

Ääähm… nein. Das sind Notizen. Ziemlich effektive und effiziente Notizen sogar. Und meiner Meinung nach zu schade für ein „kreatives Hobby“, denn du kannst beruflich damit einiges reißen. Richtig eingesetzt können sie dich bei der Arbeit entlasten, dich auf neue Ideen bringen und dir jede Menge Zeit sparen.

Lass mich also festhalten:

Visuelle Notizen sind keine Zeichnungen, sie dienen nicht zur Dekoration. Du machst sie nicht, um sie eingerahmt an die Wand zu hängen. Obwohl es auf Instagram manchmal so aussieht. 😉

2. Visuelle Notizen müssen keine einzige Zeichnung enthalten.

Wie bei jeder anderen Notiz steht auch bei visuellen Notizen der Inhalt im Fokus.

Deine eigene Handschrift ist deshalb das wichtigste Element deiner Notizen. Visuelle Notizen funktionieren wunderbar ohne Bilder und Symbole, ohne Text wird es aber schwierig – denn wie sonst solltest du Informationen kurz und prägnant festhalten können?

Viele meiner visuellen Notizen enthalten keine einzige Zeichnung, sind aber visuell strukturiert. Die Struktur ist eigentlich das ganze Geheimnis. 😉

Ich finde mich deswegen schnell in meinen Notizen zurecht, weil ich die Prioritäten auf einen Blick erkennen kann. Das kann ich wunderbar auch nur mit Schrift, ein paar Linien und etwas Farbe bewirken, wenn ich weiß, wie es geht.

Trotzdem spricht nichts dagegen, auch Symbole und sehr einfache, reduzierte Zeichnungen zu verwenden. Dann aber gezielt: Nur für die allerwichtigsten Aspekte in der Notiz und in sinnvoller Kombination mit dem Text.

Bilder (und insbesondere Bild-Wort-Kombinationen) helfen dir dabei, dir Inhalte besser zu merken und sie länger zu behalten. Relevante Forschung dazu findet sich in der Dual Coding Theory, der Kognitiven Theorie des multimedialen Lernens und dem daraus abgeleitete Picture Superiority Effect.

3. Visuelle Notizen haben eine visuelle Struktur.

Visuelle Notizen sind landkartenartig aufgebaut. Das macht sie – im wahrsten Sinne des Wortes – übersichtlich. Anders als bei einer linearen Notiz (z. B. einer To-Do-Liste) schreibst du Inhalte nicht einfach hinter- oder untereinander, sondern dorthin, wo es sinnvoll ist.

Text zu Sketchnote © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Normalerweise lesen wir im Deutschen von links nach rechts und von oben nach unten. Und wir bekommen beigebracht, auch so zu schreiben. Das ist eine rein lineare Struktur, und die ist in vielen Zusammenhängen auch sinnvoll. Zum Beispiel, wenn man einen Aufsatz oder einen Bericht schreibt. Dann gibt uns diese Struktur Orientierung, denn wir wissen genau, wo es im Text weitergeht.

Es gibt aber Situationen, in denen die lineare Struktur im Weg ist. Zum Beispiel, wenn du einen Aufsatz oder einen Bericht planst. Wenn noch nicht feststeht, was alles Inhalten du aufnehmen wirst und in welcher Reihenfolge, dann hilft es, eine flexiblere Struktur zu nutzen. Eine, die sich organisch entwickeln darf.

Dasselbe gilt auch für Besprechungsnotizen. Manchmal springen Menschen beim Sprechen zwischen verschiedenen Themen hin und her, selbst wenn es eine feste Agenda (=lineare Struktur) gibt. Und dann hilft es, wenn du deinen Notizen von vornherein eine flexiblere Struktur und den einzelnen Themen genügend Raum gönnst. So kannst du auch nachträglich noch Punkte dort ergänzen, wo sie inhaltlich hingehören.

Visuelle Notizen sind von ihrer Struktur her also eher Gedanken- oder Themen-Landkarten (und selten Auflistungen).

4. Visuelle Notizen nutzen die gesamte Fläche eines Blattes.

Punkte, die inhaltlich zusammengehören, stehen näher beieinander. Punkte, die nichts miteinander zu tun haben, sind auch räumlich weiter voneinander entfernt. So wie früher bei der Grüppchenbildung auf dem Schulhof. 😉

Ein Beispiel für eine visuell strukturierte Notiz ist die Mindmap.

brainwriting-mindmap-visuelle-notiz  © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Das Schöne ist: Du musst nicht vorher schon wissen, wo der „richtige“ Platz für einen Inhalt ist, weil sich das organisch beim Aufschreiben ergibt.

Mit einer visuellen Struktur kannst du Zusammenhänge leichter darstellen bzw. erkennen. Auf einen Blick ist sichtbar, wie sich die Inhalte zueinander verhalten: Gehören einzelne Punkte zu einer gemeinsamen Kategorie? Beeinflussen bestimmte Aspekte einander? Ist eine bestimmte Abfolge wichtig? Welche sind Gegensätze gibt es?

Der Inhalt bestimmt auch die Form, also die Blattaufteilung der Notiz. Wenn ein (zeitlicher) Ablauf im Mittelpunkt steht, ist eine andere Struktur zweckmäßig, als wenn es um die Zuordnung zu bestimmten Kategorien geht.

5. Visuelle Notizen sind inhaltlich fokussiert und auf das Wesentliche reduziert.

Visuelle Notizen enthalten selten ganze Sätze. Üblicherweise ist der Text schlagwortartig oder im Telegrammstil gehalten, und die einzelnen Punkte sind oft kompakte Textblöcke mit kurzen Zeilen. Damit erleichterst du es dir, Informationen schnell wiederzufinden. Kurze Textblöcke erfassen wir beim Überfliegen als Ganzes, in lange Zeilen muss man tatsächlich erst reinlesen.

was-sind-visuelle-notizen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

6. Visuelle Notizen sind handschriftlich.

Das ist der einfachste, schnellste und ablenkungsfreieste Weg, Text visuell strukturiert anzuordnen. Und das Schreiben mit der Hand hat außerdem viele Vorteile für die Merkfähigkeit.

Ob du dabei lieber analog mit Stift und Papier arbeitest oder digital mit Pen und Tablet, ist dabei nicht so entscheidend. Beides hat Vor- und Nachteile.

In digital erstellten Notizen kannst du Dinge leichter korrigieren, löschen, verschieben oder in der Größe verändern. Das ist praktisch, birgt aber auch die Gefahr, sich in den Details der Bearbeitung zu verlieren.

Analoge Notizen sind oft schneller gemacht, denn ein leeres Blatt Papier bietet weniger Ablenkung als eine digitale Oberfläche mit unzähligen Schaltflächen. Und auch der vermeintliche Nachteil, Dinge nicht so leicht korrigieren zu können, kann manchmal ein Vorteil sein. Zumindest bei mir ist das so. Ich stelle fest, dass ich mir beim analogen Schreiben schneller klar über die Inhalte bin und mich später an mehr erinnere.

Vielleicht liegt es daran: Digital kann ich meine Gedanken auf der Oberfläche beliebig verschieben, analog ordne ich sie schon im Kopf.

7. Visuelle Notizen sind primär für dich selbst.

Du musst sie niemandem zeigen – genauso wenig wie andere Notizen auch. Nur weil sie durch ihre nichtlineare Struktur anders aussehen (und vielleicht mehr Farbe oder Symbole enthalten, als „übliche“ lineare Notizen), heißt das noch lange nicht, dass du anderen Menschen erlauben musst, dir beim Schreiben aufs Blatt zu starren oder das Aussehen deiner Notiz zu kommentieren oder sie gar zu beurteilen.

8. Visuelle Notizen können aus mehreren Seiten bestehen.

Manchmal frage ich mich, woher die Annahme kommt, die visuelle Notiz zu einer zweistündigen Besprechung müsste auf ein einzelnes DIN A4-Blatt passen. Bei einer linearen Notiz verlangen wir das doch auch nicht von uns selbst.

Also: Niemand zwingt dich, alles auf ein einzelnes Blatt zu quetschen. Auch wenn dir die Bilder im Internet vielleicht etwas Anderes vorgaukeln.

Visuelle Notizen aus Besprechungen oder Weiterbildungen bestehen bei mir regelmäßig aus mehreren Seiten. Wenn du mehr Platz brauchst, dann brauchst du mehr Platz. So einfach ist das.

Klar ist es manchmal von Vorteil, alles auf einem Blatt zu haben – nämlich wenn es um grundsätzliche Übersichten geht. Also etwa um einen Tagesplan, die Kapitelübersicht eines Fachbuchs oder eine grobe Seminarkonzeption.

Die detaillierten Inhalte hingegen brauchen nicht in die Gesamtübersicht. Es ist einfacher, für einzelne Aspekte aus der Gesamtübersicht wiederum eine eigene visuelle Notiz als Übersicht anzulegen.

Dann bleiben die Übersichten auch übersichtlich. 😉

 

Wie sind deine Erfahrungen mit visuellen Notizen? Nutzt du sie im Alltag regelmäßig – und wenn ja: wofür?  Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! Ich freue mich auf deine Nachricht! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

Ich helfe dir, mit visuellen Notizen Zusammenhänge sichtbar zu machen, Wissen zu sichern und im Gedächtnis zu verankern.

Am 3. Juli ist Schluss mit langweiligen PowerPoint-Folien! Sei beim Workshop „Präsentiere dein Angebot visuell überzeugend“ dabei:

 

Stift oder Tastatur – was ist besser für Notizen?

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Notizen machen mit

Stift oder Tastatur?

Welche Vorteile es dir bringt, mit der Hand zu schreiben

Lesezeit: 9 Minuten | aktualisiert: 10.03.2021

Notizen gleich auf dem Laptop zu machen wird zunehmend üblich und erscheint ja auch erst einmal sehr praktisch: Statt handschriftliche Notizen noch einmal abzutippen, erfasst man die Inhalte direkt in einer Textdatei und kann sie dann auch gleich digital teilen, also zum Beispiel die Besprechungsnotiz als E-Mail-Anhang an die Kolleg:innen verschicken.

Wo ist also das Problem?

Das erste Problem ist, dass niemand wirklich Lust hat, ellenlange Bleiwüsten-Protokolle oder Veranstaltungs-Mitschriften zu lesen.

Viele solcher Aufzeichnungen werden gemacht, um dann bestenfalls irgendwo digital abgelegt zu werden oder als Ausdruck im Wir-müssen-das-fünf-Jahre-aufbewahren-Leitz-Ordner zu verstauben.

Der Form ist genüge getan: Jemand hat das Protokoll geschrieben (mitunter frustrierend für diese Person, weil sie weiß, dass sie womöglich nur für die sprichwörtliche Schublade arbeitet), andere haben es abgelegt (mitunter mit schlechtem Gewissen, weil sie es gar nicht erst lesen) oder müssen sich mühsam (und mit leichtem Groll) durch den Textwust arbeiten, bevor sie relevante Informationen finden.

Damit weiterarbeiten möchte eigentlich niemand. Und einladend zum Lesen, gerade wenn man etwas nachschlagen muss, ist es auch nicht.

Das ist eine Erfahrung, die viele von uns machen.

Als Berufsanfängerin war ich perplex, dass eine Kollegin unwidersprochen regelmäßig seitenlange Protokolle von Sitzungen verschickt hat (5 Seiten in Arial Punkt 10 waren das Minimum), die aus Fetzen von wörtlichen Mitschriften des Gesagten bestanden und vollständig ohne Absätze auskamen. Das höchste der Gefühle war die Fettung von Namen.

Wie sich schnell herausstellte, war ich zu dem Zeitpunkt die einzige, die diese Texte noch las (typischer Anfängerfehler), während alle anderen sie ignorierten. Ihrer Vorgesetzten war es egal, denn sie las diese Protokolle auch nicht: „Zu lang, zu viele Nebensächlichkeiten, wenn ich etwas wissen will, muss sie es mir eben kurz und knapp erzählen“, wie ich dann zufällig während eines Teeküchengesprächs mitbekam.

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Was für eine Verschwendung von Arbeits- und Lebenszeit!
(Wenn du keine Lust mehr auf strukturell begünstigte sinnlose Tätigkeiten hast, kann ich dir übrigens folgenden Artikel empfehlen: Fake Work)

 

Viel gravierender ist aber ein anderes Problem:

Du tust dir selbst keinen Gefallen mit direkt in den Laptop getippten Notizen.

Wenn es darum geht, dir Informationen zu erschließen, Inhalte zu behalten und Zusammenhänge zu verstehen (schnöde als Lernen bezeichnet), sind dir getippte Notizen im Weg.

Hier kommt eine wissenschaftliche Studie ins Spiel (ich gestehe, ich bin Fan von Studien – ja, ein bisschen nerdig, aber ich habe in meinem ersten Berufsleben sehr gerne wissenschaftlich gearbeitet und das tiefere Verstehenwollen von Zusammenhängen ist mir geblieben). Weil nicht jede:r gern wissenschaftliche Paper liest, habe ich die Inhalte hier verständlich für dich aufbereitet:

Die amerikanischen Psychologen Pam A. Mueller von der Princeton Universität und Daniel M. Oppenheimer von der Universität Kalifornien (UCLA) führten eine dreiteilige Studie (PDF) mit 65 Teilnehmenden durch, in der 15-minütige Videos gezeigt wurden.

Die eine Hälfte der Testpersonen war mit Laptops ausgerüstet, die andere mit Stift und Papier, beide Gruppen sollten Notizen machen. Anschließend erhielten sie Ablenkungsaufgaben. Zum Schluss wurde geprüft, was sie in Erinnerung behalten hatten.

Eine erste Analyse untersuchte die Anzahl der geschriebenen Wörter in beiden Bedingungen. Die Laptop-Gruppe schrieb signifikant mehr Wörter (>300) als die Handschrift-Gruppe (<200). Dann wurde untersucht, wie gut die Gedächtnisleistung in beiden Gruppen war. Unterschieden wurde dabei Faktenfragen von Verständnisfragen.

Die Ergebnisse zeigten keine Unterschiede beim Faktenwissen (wie zum Beispiel Jahreszahlen), jedoch schnitt die Handschrift-Gruppe bei den Verständnis-Fragen signifikant besser ab.

Der zweite Studienteil ähnelte dem eben beschriebenen, jedoch gab es eine Laptop-Gruppe, die die Anweisung erhielt, nicht einfach alles Gehörte mitzutippen, sondern die Inhalte mit eigenen Worten zu notieren. Trotz dieser Instruktion schnitt erneut die Handschrift-Gruppe besser ab.

Im dritten Studienteil schaute man auf einen längeren Zeitraum. Könnten die am Laptop geschriebenen Notizen vorteilhaft sein, um später damit zu lernen, da sie mehr und detailliertere Informationen enthalten? Dazu wurde das Wissen eine Woche nach dem Anfertigen der Notizen nochmals abgefragt, die Teilnehmenden hatten vor dem Test die Gelegenheit, sich nochmals mit ihren Notizen zu beschäftigen. Auch in diesem dritten Studienteil zeigte sich die Überlegenheit der handschriftlichen Notizen.

Warum ist das so?

Die Wissenschaftler:innen vermuten, dass die Art des Notizenmachens die Informationsverarbeitung in unserem Gehirn beeinflusst.

 

Beim Tippen sind wir eher versucht, Inhalte wortwörtlich zu transkribieren, weil die meisten von uns schneller tippen als mit der Hand schreiben können.

Der Effekt: Je mehr ich versuche, jedes einzelne Wort mitzuschreiben (darunter auch Nebensächlichkeiten), desto weniger Zeit bleibt mir zu denken. Durch das Mittippen werden Informationen vermutlich nur oberflächlich verarbeitet. Sie rauschen durch das Kurzzeitgedächtnis durch; das Aufschreiben wird wichtiger als das Verstehen.

Beim Schreiben mit Stift und Papier müssen wir uns hingegen von vornherein auf die Kernaussagen beschränken: Handschriftlich kannst du schlecht eins zu eins mitschreiben, du bist zu langsam (ich jedenfalls bin es).

Um Kernaussagen zu erfassen, bist du mit deiner Aufmerksamkeit ganz anders bei den Inhalten. Du musst aufmerksam zuhören, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Dabei verarbeitet dein Gedächtnis schon jede Menge Informationen, es gewichtet sie. Und idealerweise fasst du diese Informationen in eigene Worte, um eine lange Aussage auf den Punkt bringen zu können – die Kernaussage, die du in deinem Tempo gut handschriftlich festhalten kannst.

Zudem bekommt die festgehaltene Information einen physischen Ort, wenn du sie mit Stift und Papier festhältst.

Zufälligerweise(?) befindet sich unser Gedächtnis im selben Hirnareal wie unser räumlicher Orientierungssinn. Je „landkartenartiger“ eine Notiz ist, desto leichter bleiben Inhalte im Gedächtnis haften. Sie werden nicht nur (wie rein lineare Texte) im sog. Sprachzentrum verarbeitet, sondern auch im räumlichen Gedächtnis abgelegt.

Das ist ein zusätzlicher „Speicherort“ in deinem Kopf, auf den du zurückgreifen kannst, um Erinnerungen wieder abzurufen. Und es könnte erklären, warum das „in eigene Worte fassen und Tippen“ im zweiten Studienteil ebenfalls nicht mit den handschriftlichen Notizen mithalten konnte.

Warum erzähle ich dir das?

Etwas von Hand aufzuschreiben, um es zu verstehen, mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen und im Gedächtnis zu behalten, ist eine wichtige menschliche Kulturtechnik.

In Wissensberufen ist sie essenziell.

 

Versteh mich nicht falsch: Es werden nicht gleich alle verdummen, wenn sie nur noch tippen. Wenn du dir aber über die Vorteile der handschriftlichen Notiz im Klaren bist und diese häufig nutzt(!), hast du ein mächtiges Werkzeug für deine Arbeit in der Hand.

Trotz fortschreitender Digitalisierung regelmäßig etwas mit Stift und Papier festzuhalten, verschafft dir kognitive Vorteile gegenüber denen, die das nicht (mehr) machen.

  • Du nimmst mehr wahr.
  • Du bist fokussierter.
  • Du durchdringst Zusammenhänge leichter.
  • Du siehst Verknüfungen, wo andere nur Einzelteile sehen.
  • Du trainierst dein kritisches Denkvermögen.
  • Du erreichst Ziele mit höherer Wahrscheinlichkeit.

Und wenn du es clever anstellst, sparst du sogar Zeit.

Die Alternative zu (ab)getippten Notizen ist, handschriftlich übersichtliche, lesbare Notizen zu machen.

Für dich selbst – kein Problem. Aber funktioniert das auch für Sitzungsprotokolle, die du machen und weitergeben musst? Und ob!

  • Schreibe sie leserlich von Hand,
  • beschränke dich inhaltlich auf Kernaussagen,
  • lass Nebensächliches weg,
  • mach Zusammenhänge optisch deutlich,
  • scanne deine Mitschrift ein,
  • versende sie als PDF-Anhang deiner E-Mail.

 

»Waaaaas? Das ist bei uns total unüblich! Was werden die anderen denken?«

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es immer einzelne Leute geben wird, die dich schräg angucken werden, wenn du ihnen etwas Handschriftliches zur Verfügung stellst. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass die überwiegende Mehrheit dir (möglicherweise nach einer ersten kleinen Irritation) dankbar sein wird.

Weil sie sich vielleicht das erste Mal nach Jahren überhaupt wieder ein Protokoll ansehen und das womöglich auch noch gerne machen.

Der Clou ist nämlich, dass nicht nur du, sondern auch sie sich besser darin zurechtfinden werden.

Hast du Lust bekommen, es auszuprobieren?

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Wie sind deine Erfahrungen mit handschriftlichen Notizen? Wie häufig schreibst du in deinem Arbeitsalltag mit der Hand? Hast du Lust bekommen, es wieder öfter zu tun? Oder tippst du lieber und hast gute Gründe dafür? Lass es mich in den Kommentaren wissen!  Ich freue mich auf deine Nachricht! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

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Ich helfe dir, mit visuellen Notizen Zusammenhänge sichtbar zu machen, Wissen zu sichern und im Gedächtnis zu verankern.

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5 Gründe, warum Ziele richtig aufschreiben hilft

5 Gründe, warum Ziele richtig aufschreiben hilft

5 Gründe, warum du deine

Ziele richtig aufschreiben

solltest, wenn du sie erreichen willst

Lesezeit: 9 Minuten | aktualisiert: 14.01.2021

Erfahre, warum es dir hilft,…

… Ziele aufzuschreiben, um sie zu erreichen,…
… was „richtig“ aufschreiben bedeutet, und…
… wie visuelle Notizen dir dabei nützen können.

Teil 1 der Miniserie zum Thema Ziele richtig aufschreiben. Teil 2 folgt in Kürze.

Hast du deine Ziele immer präsent, oder verlierst du sie manchmal aus den Augen?

Ich tendiere dazu, mich öfter mal in Details zu verlieren und das große Ganze dann nicht mehr Blick zu haben. Das kostet mich am Ende viel Zeit.

Was mir in letzter Zeit gut geholfen hat, um wieder den Überblick zu bekommen, ist meine Ziele konsequent sehr klar aufzuschreiben.

Genau diese Erfahrung möchte ich hier mit dir teilen.

Warum Aufschreiben den entscheidenden Unterschied macht

Ganz ehrlich? Es braucht keine Neurowissenschaft, um zu wissen, dass du dich besser an Dinge erinnerst, wenn du sie aufschreibst.

Du kennst das selbst: Angefangen vom Einkaufszettel über die hingekritzelte Telefonnotiz bis hin zum winzigen Spickzettel, der damals während der Klausur im Ärmel versteckt war…

Aber warum ist das so? Warum macht Aufschreiben so einen Unterschied? Und wie kann „richtig“ aufschreiben dir helfen, deine Ziele zu erreichen?

Schließlich macht es zusätzlich Arbeit, und wichtige Ziele kann man doch nicht einfach so vergessen (im Gegensatz zum Joghurt beim Einkaufen). Deine Ziele im Kopf zu haben müsste doch reichen – gerade weil sich wichtig sind, oder?

Nein, leider reicht das nicht.

ziele-richtig-aufschreiben-nahaufnahme-einer-visuellen-planung

Kürzlich bin ich über eine Studie gestolpert, in der untersucht wurde, welchen Effekt Aufschreiben darauf hat, Ziele zu erreichen.

Die Studienteilnehmenden wurden unter anderem gebeten, folgende Aussage zu bewerten:

„Mein Ziel ist in schriftlicher Form (einschließlich Bilder, Fotos, Zeichnungen usw.) so anschaulich beschrieben, dass ich es anderen Menschen buchstäblich zeigen könnte und sie genau wissen würden, was ich erreichen möchte“

Weniger als zwanzig Prozent der Befragten gaben an, dass ihre wichtigen Ziele „immer“ so anschaulich aufschreiben würden. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass genau diejenigen, die es taten, ihre Ziele tatsächlich häufiger erreichten.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Ziel zu erreichen, stieg durch anschauliches Aufschreiben um 40 Prozent.

Das macht für die Erfolgswahrscheinlichkeit einen ziemlich großen Unterschied – vor allem, wenn du bedenkst, dass das du dafür nicht mehr brauchst als ein Blatt Papier und einen Stift.

Schauen wir uns deswegen einmal an, was beim Aufschreiben passiert:

Aufschreiben berührt verschiedene Ebenen

#1: Externe Speicherung

Externe Speicherung ist schnell erklärt.

Durch simples Aufschreiben beginnt dein Ziel, an einem physischen Ort außerhalb deines Kopfes zu existieren. Zum Beispiel auf einem Blatt Papier.

ziele richtig aufschreiben macht sie sichtbar und begreifbar

 

Du kannst dein Ziel jetzt jederzeit sehen und darauf zugreifen.

Du kannst es in der Hand halten, es mit dir herumtragen, es an die Kühlschranktür heften, es überprüfen, umformulieren und verändern.

Du hast es vor Augen. Und in der Hand.

Schöner Nebeneffekt: Du entlastest damit auch dein Gehirn. Denn es ist wesentlich einfacher, dich mit einem sicht- und greifbaren Ziel zu beschäftigen, als einen nichtfassbaren, materielosen, flüchtigen, formlosen Gedanken im Kopf hin- und herzuwälzen.

Aber es gibt noch ein tieferes Phänomen:

#2: Codierung

Codierung ist der biologische Prozess im Gehirn, bei dem entschieden wird, was in dein Langzeitgedächtnis wandert und was nicht.

Alles, was du an Sinneseindrücken wahrnimmst, muss im Gehirn zunächst den Hippocampus passieren. Dort werden die ankommenden Informationen gefiltert. Informationen, die als wichtig eingestuft werden, werden im Langzeitgedächtnis gespeichert, der Rest wird verworfen.

Mit dem Aufschreiben verbesserst und unterstützt du den Codierungsprozess im Gehirn, denn Aufschreiben signalisiert dem Hippocampus: Das ist wichtig.

Mit anderen Worten:
Wenn du dein Ziel aufschreibst, hat es eine viel größere Chance, dauerhaft in Erinnerung zu bleiben.

#3: Erzeugungseffekt

Zusätzlich kommt noch der Erzeugungseffekt („generation effect“) ins Spiel.

Neuropsychologische Studien zeigen, dass Menschen sich besser an die Inhalte erinnern, die sie selbst erzeugt haben – also zum Beispiel durch Aufschreiben, aber auch eigene Ideen generieren zählt dazu. Informationen, die lediglich gelesen oder gehört wurden, blieben nicht so gut im Gedächtnis.

Was heißt das jetzt für dich?

Wenn du deine Ziele aufschreibst, kommst du sogar zweimal in den Genuss des Erzeugungseffekts: Das erste Mal, wenn du dir dein Ziel überlegst. Und dann noch einmal, wenn du es aufschreibst.

Durch das Aufschreiben verarbeitest und überdenkst du das mental vorhandene Bild deines Ziels erneut, du re-generierst es.

#4: Anschaulichkeit

Wie oben schon erwähnt, ist es entscheidend, wie anschaulich du dein Ziel aufschreibst, denn:

Sprache ist mehr als das Aneinanderreihen von Buchstaben.

Sprache ist das Denken in Mustern und Zusammenhängen.

Die Hirnareale, die für das Gedächtnis zuständig sind, sind auch dafür zuständig, eine räumliche Kartierung anzufertigen. Sie merken sich also nicht nur, was du aufschreibst, sondern sie merken sich auch, wo etwas steht.

Und hier kommt jetzt der große Vorteil von visuellen Notizen (Sketchnotes) zum Tragen. Anders als bei einem linearen Text, wo du von links nach rechts und von unten nach oben schreibst, bist du in deiner Sketchnote frei, deine Inhalte so anzuordnen wie es für dich Sinn macht.

Indem du deine Ziele in einer visuell strukturierten Form aufschreibst, tust du übrigens mehr, als nur Gedanken auf Papier zu bringen.

Ganz intuitiv triffst du auch einige Entscheidungen:

  • Wo schreibst du etwas hin?
  • Was schreibst du auf? Was lässt du weg?
  • Wie ordnest du Inhalte, die zu deinem Ziel gehören, zueinander an?
  • Welche räumlichen Beziehungen gibt es?
  • Wie zeigst du, was zusammengehört?
  • Welche Bilder und Symbole hast du zu deinem Ziel im Kopf? Wie kannst du sie darstellen?
  • Welche Emotionen sind dir wichtig? Wie kannst du sie festhalten?

All das bewirkt, dass wie nebenbei eine Menge kognitiver Verarbeitung stattfindet. Beim visuell strukturierten Aufschreiben brennt sich dein Ziel sozusagen in dein Gehirn ein.

Es entsteht eine Gedankenlandkarte.

Buch zu Sketchnote

#5: Fokus

Es ist aber nicht nur das Erinnerungsvermögen selbst, das sich verbessert, wenn du Dinge aufschreibst. Beim Aufschreiben – insbesondere, wenn du darauf achtest, es möglichst anschaulich zu machen – richtet sich dein Fokus automatisch auf die wirklich wichtigen Inhalte.

Denn das Notieren ist immer auch ein Selektionsprozess.

Selbst wenn du nicht darüber nachdenkst, konzentrierst du dich beim Aufschreiben automatisch auf die Kernpunkte, also auf das, was zum Verständnis notwendig ist. Weil wir Menschen faul sind (oder von Natur aus energieeffizient ;-)), lassen wir normalerweise weg, was wir nicht unbedingt brauchen.

(Außer, die Angst, etwas zu verpassen wird zu groß. Dann neigen wir dazu, seitenweise Papier vollzuschreiben und wenig davon zu behalten, aber das ist ein anderes Thema.)

Übrig bleiben die wichtigen Dinge.

Auch im Schulkontext hat man das beobachtet. Dort ging es um das Lernen für Prüfungen (das Bestehen von Klausuren ist ja auch ein wichtiges Ziel). Eine Gruppe hörte im Unterricht nur zu, die andere Gruppe hörte zu und machte sich Notizen. Direkt im Anschluss an den Unterricht wurde dann geprüft, was behalten wurde.

Interessanterweise erinnerte sich die erste Gruppe an genauso viele unwichtige wie an wichtige Fakten. Diejenigen, die sich Notizen machen, erinnerten sich hingegen primär an die wichtigen Fakten und merkten sich weniger von den unwichtigen Inhalten.

Aufschreiben hilft dir nicht nur, dich zu erinnern. Es macht auch deinen Geist effizienter, indem es dir hilft, dich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Womit wir wieder bei deinen Zielen wären, denn die sollten dir unbedingt als wichtige Dinge gelten.

Deine Ziele anschaulich aufzuschreiben hilft dir, sie aus dem Grundrauschen des Alltags herauszufiltern und dich mit Klarheit darauf zu fokussieren, sie zu erreichen. Jeden Tag aufs Neue. Tag für Tag.

 

[Wenn du noch tiefer in die Materie eintauchen möchtest, empfehle ich dir das Buch „Lernen braucht Verstehen“ von Henning Beck – kannst du in den meisten Stadtbibliotheken ausleihen, oder du bestellst es über deine lokale Buchhandlung.]

So, das war Teil 1 der Miniserie…

Ich finde es immer motivierend zu verstehen, warum etwas funktioniert. Nur wenn du den Mechanismus kennst, kannst du ihn gezielt nutzen.

Rund wird die Sache aber erst, wenn du auch weißt, WIE du deine Ziele am besten aufschreibst. Und genau das zeige ich dir im nächsten Teil der Miniserie.

 

…bald geht es weiter!

Möchtest du weiterlesen, sobald Teil 2 verfügbar ist? Aber gern doch!

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Hast du Fragen oder einen spontanen Gedanken zum Artikel? Lass es mich wissen und hinterlasse gerne einen Kommentar in der Box am Ende dieser Seite. Ich freue mich auf deine Nachricht! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

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Orientierung oder Sketchnote-Frust? Warum du im Internet fast keine „Vorbilder“ findest.

Orientierung oder Sketchnote-Frust? Warum du im Internet fast keine „Vorbilder“ findest.

Orientierung oder Frust?

Warum es keine gute Idee ist, im Internet nach „Vorbildern“ für die häufigste Anwendung von Sketchnotes zu suchen und wie du stattdessen weiterkommst.

Lesezeit: 14 Minuten | aktualisiert: 19.06.2020
(Du bist in Eile? Am Ende des Artikels findest du die Essenz in 10 Sekunden.)

Ich weiß, es kann frustrierend sein.

Egal, ob du erst seit 5 Minuten oder schon seit 5 Jahren Sketchnotes machst: Es wird wahrscheinlich immer mal wieder vorkommen, dass du in Frage stellst, ob das, was du aufs Papier bringst, wirklich richtige Sketchnotes sind. Oft lassen sich diese Bedenken leicht wieder abschütteln, manchmal werden die Zweifel aber so groß, dass sie dich ernsthaft ausbremsen.

Mich hätte es vor einiger Zeit fast aus der Kurve getragen.

Ich war kurz davor, Sketchnoting wieder aufzugeben, obwohl ich es fast täglich nutze (und das sogar beruflich). Aus lauter Zweifel darüber, ob das, was ich da machte, wirklich als Sketchnotes angesehen wird. Ob ich mit meiner Art, visuelle Notizen zu machen überhaupt zur „Sketchnote-Community“ dazugehörte.

Damit dir das gar nicht erst passiert, möchte ich dir in diesem Artikel den Rücken stärken. Ich teile meinen wichtigsten Tipp mit dir, mit dem du dauerhaft den Druck rausnehmen kannst.

Eine Quelle für Inspirationen und für Zweifel

Wenn du ähnlich tickst wie ich, dann suchst du zunächst einmal nach Möglichkeiten, Sketchnotes als praktische, übersichtliche Notizenform zu verwenden.

Direkt für deinen Arbeitsalltag, ohne viel Aufwand.

Notizen, die du gerne wieder hervorholst, weil sie übersichtlich und angenehm anzuschauen sind. In denen du dich schnell zurechtfindest und Informationen auf einen Blick erfasst. Notizen, die dir helfen, dich an Inhalte von Gesprächen oder Texten oder eigenen Gedanken zu erinnern.

Notebook Sketchnote

© Viktoria Cvetković | In dieser Sketchnote habe ich ein Kapitel eines Fachbuchs für mich zusammengefasst.

Und vielleicht bist auch du immer mal wieder auf der Suche nach Inspirationen und schaust dich im Netz um, was andere so machen? Vielleicht steckst du auch gedanklich gerade fest und suchst nach Visualisierungen zu bestimmten Begriffen? Oder nach Lösungen für die Blattaufteilung?

Und dann? Wie gehst du mit den gefundenen Beispielen um? Machst du dir Gedanken darüber, wie deine Sketchnotes im Vergleich aussehen? Zweifelst du manchmal, ob deine Sketchnotes sich mit anderen messen können? Ob sie gut genug sind? Vielleicht fühlst dich manchmal sogar talentfrei?

Wenn ja, bist du damit in guter Gesellschaft.

Wenn du „Sketchnotes“ als Begriff in eine Suchmaschine deiner Wahl eingibst, findest du in der Bildersuche Tausende von Beispielen. All diese Beispiele können eine tolle Anregung für deine eigenen Sketchnotes sein – sowohl wofür du sie nutzen kannst, als auch wie du sie gestalten kannst.

Andererseits trägt die Bildersuche einen gewaltigen Nachteil in sich, der mir selbst lange nicht klar war. Und der mich an einem bestimmten Punkt fast dazu gebracht hätte, Sketchnoting wieder aufzugeben.

Collage Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Der blinde Fleck im Netz

In der gesamten Bildersuche wirst du den häufigsten, relevantesten Anwendungsfall für Sketchnotes nur sehr, sehr selten finden.

Als würden diese Notizen gar nicht existieren.

Wovon ich spreche?

Ich meine die ganz gewöhnlichen, praktischen, im Arbeitsalltag genutzten Sketchnotes. Die, die wirklich als Notiz- und Merkwerkzeug für einen selbst fungieren (und nie mit dem Gedanken an eine Veröffentlichung auf Instagram oder Pinterest im Hinterkopf erstellt werden).

→ Die mit den Durchstreichungen und schnellen Korrekturen.

→ Die mit der gequetschten Schrift am Rand.

→ Die mit der unausgewogenen Seitenaufteilung.

→ Die auf der Rückseite eines misslungenen Ausdrucks.

→ Die auf dünnem Karopapier.

→ Die mit den Interna drauf (Namen, persönliche Gedanken, interne Abläufe, …).

© Viktoria Cvetković | Alltags-Sketchnotes

Dinge, die ich selbst normalerweise auch nicht veröffentlichen würde.

(Außer ausnahmsweise hier und mit verpixeltem Text, um dir zu zeigen, was ich meine… Und ganz ehrlich? Auch das sind schon die „vorzeigbareren“ Beispiele. Oben links siehst du eine typische Notiz aus einem Team-Meeting, in der ich Themen, Fristen und Zuständigkeiten für mich festgehalten habe. Unten links ist eine etwas ausführlichere Besprechungsnotiz zu strategischen Themen, oben rechts eine Ideensammlung aus einem Brainstorming, und unten rechts die Kernpunkte aus einer einstündigen Diskussion).

Trotzdem bin selbst ich bei der Bildersuche darauf hereingefallen – und habe Äpfel mit Birnen verglichen. Und das meine ich absolut nicht arrogant, sondern vor dem Hintergrund meiner eigenen langjährigen Erfahrung mit visuellen Notizen. Ich nutze sie beinahe täglich als Alltagswerkzeug für mich selbst. Ich führe zum Thema Sketchnotes Trainingskurse in Unternehmen durch und bin Dozentin in der beruflichen Weiterbildung.

Wie soll es erst jemandem gehen, der mit Sketchnotes gerade erst startet und nach Orientierung sucht?

Obwohl ich also Sketchnotes regelmäßig im Einsatz habe, begann ich nach einer umfangreicheren Bildrecherche zu einem bestimmten Thema tatsächlich daran zu zweifeln, ob meine Notizen richtige Sketchnotes sind. Ob ich sie so nennen darf. Ob ich weiterhin Trainings dazu geben sollte.

Was ich nämlich bei der Bildrecherche gefunden hatte, waren massenweise sehr aufwändig gestaltete Sketchnotes mit hohem ästhetischem Anspruch. Viele davon gefielen mir gut, aber sie verunsicherten mich auch:

Zu ähnlichen Ergebnissen kam ich nur, wenn ich mir viel(!) Zeit nahm, ABER: Meine Alltags-Sketchnotes hatten damit wenig Ähnlichkeit.

Ich fing an, meine Kompetenz in Frage zu stellen. Müssten, nach jahrelanger Praxis, meine Sketchnotes nicht immer so aussehen? Müsste ich das nicht allmählich mühelos und nebenher „aus dem Handgelenk schütteln“ können?

chi-hua-chientech_crunch_ImageThink by Quotidian Ventures is licensed under CC BY 2.0

„chi-hua-chien_tech_crunch_ImageThink“ by Quotidian Ventures is licensed under CC BY 2.0

Orientierung oder Frust?

Glücklicherweise habe ich mich zu der Zeit sehr intensiv mit einer guten Freundin zu Sketchnotes und unseren individuellen Ansätzen ausgetauscht. Wir nahmen also alles auseinander.

Was viele der Sketchnotes im Internet gemeinsam hatten:

Sie waren bei Konferenzen oder ähnlichen Veranstaltungen entstanden.

Sie waren aufwändig gestaltet.

Sie konnten problemlos öffentlich geteilt werden, da die Inhalte nicht vertraulich waren.

Meist waren sie von Leuten erstellt worden, die professionell als visuelle Konferenzbegleiter unterwegs sind (Graphic Recorder, Visual Facilitator, …).

EUviz Visual Practitioners Conference by MinaLegend is licensed under CC BY 2.0

„EUviz Visual Practitioners Conference“ by MinaLegend is licensed under CC BY 2.0

Mit ein bisschen Abstand betrachtet hatte einiges, was ich unter dem Stichwort Sketchnote gefunden hatte, tatsächlich mehr Ähnlichkeit mit Graphic Recordings  (wenn auch nicht als Riesenposter, sondern in kleinem A4- oder A3-Format). Selbst wenn die gefundenen Sketchnotes vielleicht keine beauftragte Visualisierung von Redeinhalten waren – von der Form, von ihrem Aussehen her, hätten sie welche sein können.

Das heißt:

  1. beauftragt und bezahlt von der veranstaltenden Organisation,
  2. erstellt als berufliche Dienstleistung,
  3. um die Veranstaltung zu dokumentieren und
  4. das Ergebnis zu veröffentlichen.

Merkst du was? Das spielt sich in einem anderen Bereich von „Informationen visuell festhalten“ ab. Und es hat mit persönlichen Sketchnotes kaum noch etwas zu tun.

Nun sind visuelle Formate ja auch nicht auf Sketchnotes beschränkt:

Matrix Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

© Viktoria Cvetković | Sketchnotes im Kontinuum visueller Formate

Für mich sind Sketchnotes primär visuelle Notizen für mich selbst.
Ich mache sie bei der Arbeit und für die Arbeit.

Ich schaute mir meine eigenen Alltags-Sketchnotes noch einmal genauer an – und zwar unter dem Blickwinkel: Waren sie nützlich für mich? Halfen sie mir bei der Vorbereitung von Terminen, beim Erinnern an Gesprächsinhalte, beim Entwickeln von neuen Ideen? (und zwar genau so unperfekt wie sie waren)

Antwort: Ja, das taten sie.

Störte es mich, dass sie optisch nicht sorgfältig ausgearbeitet waren? Störte es mich, dass ich an der fertigen Sketchnote direkt sah, was ich hätte besser machen können?

Ja, schon. Das kratzte an meinen eigenen Anspruch. In meinem Studium hatte ich mich jahrelang mit Gestaltung beschäftigt. Ich wusste, dass es besser ging.

Störte es mich so sehr, dass ich eine zweite, verbesserte Version von den Sketchnotes erstellen wollte?

Nö. Definitiv nicht. Sie erfüllten ja ihren Zweck.

Als diese Erkenntnis einmal eingesickert war, ging es mir schlagartig besser. Denn auch wenn ich die im Internet gefundenen Visualisierungen oft großartig finde, ist es definitiv Quatsch, Alltags-Sketchnotes mit (mutmaßlich) zur Veröffentlichung bestimmten Sketchnotes/Mini-Graphic-Recordings zu vergleichen oder sie daran zu messen.

Ich fragte mich weiter: Würde es mir in Zukunft für Alltags-Sketchnotes reichen, so weiterzumachen wie bisher? Oder sollte ich mir mehr Mühe mit der Planung geben, um zu optisch ansprechenderen Ergebnissen zu kommen?

Kommt darauf an. Denn irgendwie passt beides. Ich lerne gerne dazu und ziehe oft die besten Erkenntnisse aus eigenen Fehlern. Ich habe Spaß daran, Dinge kontinuierlich zu verbessern und freue mich über Erreichtes. Ich habe aber auch nur begrenzt Zeit. Ich muss Prioritäten setzen, sonst werde ich nicht fertig.

Alles immer möglichst perfekt geht halt nicht.

Den Druck rausnehmen

Deswegen nehme ich mir inzwischen vor jeder neuen Sketchnote einen Moment Zeit (Ich spreche hier wirklich von weniger als 1 Minute!), stelle mir zwei Fragen und treffe eine bewusste Entscheidung für diese eine nächste Sketchnote.

Das befreit mich von einer übertriebenen (weil dauerhaft hohen) Erwartung an mich selbst und ermöglicht mir trotzdem, Fortschritte mit meinen Sketchnotes zu machen.

Vielleicht willst du es ja auch einmal probieren?

Hier kommt der „Trick“:

Sorge für Klarheit in deinem Kopf, bevor du den Stift auch nur aufs Papier setzt.

Beantworte dir folgende Fragen dafür:

Für wen machst du Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Sketchnotes für dich selbst kannst du problemlos mit einem Kugelschreiber auf der Rückseite eines misslungenen Ausdrucks machen (sieht ja niemand außer dir). Entscheidend ist, dass sie dir nützen.

Eine krakelige, inhaltlich stimmige Sketchnote bringt dir in jedem Fall mehr als eine, die vor lauter ästhetischem Anspruch gar nicht erst entsteht.

Möchtest du deine Sketchnote mit anderen Menschen teilen? Gerade im beruflichen Umfeld ist das dann oft der Moment, in dem die äußere Form beginnt eine größere Rolle zu spielen. Was ja auch sinnvoll ist, wenn du gute Inhalte in einer dazu passenden Verpackung präsentieren möchtest. Genauso wie ein aufgeräumter Schreibtisch sendet auch eine aufgeräumte, ordentliche Notiz ein bestimmtes Signal nach außen und trägt dazu bei, wie andere deine Arbeit wahrnehmen.

Je nach eigenem Anspruch kommst du dann vielleicht auch nicht mehr mit dem ersten Versuch aus, und fängst an, Entwürfe für die Struktur der Sketchnote und Vorzeichnungen für bestimmte Elemente zu machen. Die Notiz wird aufwendiger.

Beides ist in Ordnung. Es muss dir nur klar sein, bevor du loslegst.

Differenzierst du bei Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Das präsent zu haben ist wichtig, wenn du zu Perfektionismus neigst.
(Richtig, ich spreche aus Erfahrung…)

Die Gefahr ist ansonsten, überzogene Ansprüche an die Gestaltung einer Notiz zu stellen, die außer dir niemand sehen wird. Solange du Kapazitäten dafür frei und Spaß an aufwendig ausgearbeiteten Sketchnotes hast, ist das überhaupt kein Problem. Wenn du aber merkst, dass allein der Gedanke an Sketchnotes dich schon stresst, weil du nicht weißt, ob es dir gelingen wird, sie „schön genug“ zu machen, oder du einfach zu lange brauchst:

Tritt einen Schritt zurück und leg für dich fest, wann die jeweilige Sketchnote gut genug (nicht perfekt!) ist.

Eine persönliche Planungsnotiz muss nicht so aufwendig gestaltet sein wie ein visuelles Protokoll, das du an andere weitergeben willst. Aber auch das visuelle Protokoll ist immer noch ein Protokoll und kein Kunstwerk. Seinen Mehrwert bekommt es durch eine übersichtliche Struktur und klar verständlichen Text, nicht durch kunstfertige Zeichnungen (auf die du übrigens komplett verzichten kannst, aber das ist ein Thema für sich und gehört in einen anderen Artikel…).

(Für mich habe ich es so gelöst:
Gelegentlich erstelle ich Sketchnotes, um sie mit anderen zu teilen, und dann gebe ich mir zielgerichtet mehr Mühe, sie übersichtlich und optisch ansprechend zu gestalten. Schließlich müssen sie ja auch von anderen verstanden werden.

Für mich selbst könnte ich das zwar auch machen, aber es ist immer eine Frage von Aufwand und Nutzen – meistens halte ich es einfach: Fertig ist besser als perfekt. Meine Alltags-Sketchnotes sehen also weiterhin so schlicht aus wie bisher, Tag für Tag.)

Extra-Tipp Sketchnotes © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Bewahre deine Sketchnotes auf, möglichst zusammen an einem Ort und chronologisch sortiert, und schau sie dir gerade dann wieder an, wenn die Zweifel sich mal wieder melden.

Man vergisst so schnell, womit man vor wenigen Monaten noch gekämpft hat, sobald es einem leicht fällt… Der Blick zurück und der Vergleich mit deinem „vergangenen Ich“ hilft dir, deinen Fortschritt realistisch einzuschätzen.

Wie ist es bei dir?

Sehen deine visuellen Notizen auch anders aus, als die Sketchnotes da draußen im Netz? Wie gehst du damit um? Unterscheidest du zwischen persönlichen Sketchnotes und solchen, die du mit anderen teilst?

Falls nicht: Kannst du dir vorstellen, das mal auszuprobieren?

Lass mir gerne einen Kommentar da! Ich freu mich auf dein Feedback und bin gespannt, was du zu berichten hast!

DIE ESSENZ in 10 Sekunden

Auf der Suche nach Beispielen wirst du Alltags-Sketchnotes so gut wie nie im Internet finden.

Alltags-Sketchnotes dienen einem anderen Zweck als öffentliche Graphic Recordings. Vergleiche sie nicht miteinander.

Miss deine visuellen Notizen daran, ob sie nützlich für dich sind.

Nimm den Druck raus und befreie dich von übertrieben hohen Erwartungen: Mache dir bewusst, ob du eine Sketchnote nur für dich selbst machst oder sie tatsächlich auch mit anderen teilen wirst.

Triff eine klare Entscheidung, bevor du anfängst: Willst du diese Sketchnote schlicht halten oder ist es dir wichtig, sie aufwendig zu gestalten?

Vergiss die Bilder: Mehrwert bekommt deine Alltags-Sketchnote durch eine übersichtliche Struktur und klar verständlichen Text.

Vergleiche dich nur mit dir selbst: Bewahre deine Sketchnotes auf, um deinen Fortschritt realistisch einschätzen zu können.

Du brauchst noch ein bisschen mehr Anleitung? Dann lade dir meine kostenlose Sketchnote-Starthilfe herunter:

Darin findest du nur die absolut notwendigen Elemente für visuelle Notizen. Für dich vorgefiltert und ausgewählt, damit du sofort starten kannst. Inklusive Vorlage für deinen persönlichen Spickzettel.

Ich wünsche dir viel Spaß damit!

Deine Viktoria

P. S.: Hast du Klarheit für deine nächste visuelle Notiz? Oder drückt akut irgendwo der Schuh?
Keine Scheu – lass mich wissen, wie ich dich bei deinen nächsten Schritten unterstützen kann und hinterlasse gerne einen Kommentar. Ich freue mich auf deine Nachricht!

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

Ich helfe dir, mit visuellen Notizen Zusammenhänge sichtbar zu machen, Wissen zu sichern und im Gedächtnis zu verankern.

Am 3. Juli ist Schluss mit langweiligen PowerPoint-Folien! Sei beim Workshop „Präsentiere dein Angebot visuell überzeugend“ dabei:

 

Talentfrei? – Warum dich der Begriff „Sketchnote“ ausbremst

Talentfrei? – Warum dich der Begriff „Sketchnote“ ausbremst

Fühlst du dich

Talentfrei?

Warum dich der Begriff „Sketchnote“ davon abhält, mit Sketchnotes loszulegen.

Lesezeit: 9 Minuten | aktualisiert: 14.05.2020
(Du bist in Eile? Am Ende des Artikels findest du die Essenz in 10 Sekunden.)

Was ist deine größte Hürde, um mit Sketchnotes zu starten?

Wenn du jetzt sagst: „Ich kann nicht (gut genug) zeichnen“, bist du in allerbester Gesellschaft.

Leider.

Denn oft verzichten genau die Menschen, die am meisten von Sketchnotes profitieren können, auf dieses mächtige Werkzeug. Wegen eines Missverständnisses. Die Assoziationskette geht dabei meistens so:

 

Allein das Wort Sketchnote rückt das Zeichnen so sehr in den Vordergrund der Wahrnehmung, dass es alles andere verdrängt.

Sketch impliziert offenbar, dass man irgendwie „begabt“ sein sollte, am besten künstlerisches Talent hat und gut zeichnen können muss.

Wie du diese Hürde überwindest und funktionale Sketchnotes ganz ohne Zeichnungen für deinen Alltag nutzen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Sketchnotes haben mit Zeichnen nicht viel zu tun

Tatsächlich wird bei Sketchnotes das Zeichnen überbewertet.

Meiner Erfahrung nach machen „bildhafte Elemente“ in Sketchnotes nur 5 bis 10 Prozent aus. Mehr nicht. Das heißt, eine Sketchnote besteht oft fast nur aus Elementen, die nichts mit Zeichnen zu tun haben.

Man kann Sketchnotes auch komplett ohne Bilder erstellen – und ja, es sind dann immer noch Sketchnotes!

Das visuelle an Sketchnotes sind nämlich nicht die Bilder, sondern die Struktur. Text ist ein ganz wesentliches Element – wie in „gewöhnlichen“ Notizen auch. Der Unterschied zu anderen Notizen ist die Anordnung der Textteile zueinander.

Sketchnote

Sind Sketchnotes überhaupt etwas für dich?

Aber woher weißt du überhaupt, ob du Sketchnotes sinnvoll verwenden kannst? Bisher ging es doch auch ohne! Und eigentlich hast du gar nicht so viel Zeit, dich zusätzlich auch noch damit zu beschäftigen…

Verpasst du wirklich etwas, wenn du Sketchnotes nicht nutzt?

Kommt darauf an.

  • Arbeitest du in einem Umfeld, in dem du regelmäßig mit einer Vielzahl von Informationen umgehen musst?
  • Eignest du dir kontinuierlich neues Wissen an, vielleicht aus Fachbüchern oder Fachzeitschriften?
  • Besuchst du Vorlesungen, Fachtagungen, Konferenzen?
  • Hältst du Vorträge, organisierst Seminare oder Schulungen, bildest dich gerade selbst weiter?
  • Gehört es zu deinen Aufgaben, komplexe Sachverhalte möglichst verständlich an deine Kollegen oder deine Chefin zu vermitteln?
  • Arbeitest du mit Kundinnen oder Klienten, die weniger Spezialwissen haben als du? Und die erst dann ins Handeln kommen, wenn du ihnen möglichst einfach verständlich machst, warum sie etwas tun sollen?
  • Denkst du in Abläufen, Prozessen, Konzepten und Strategien?

Hast du irgendeine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet? Dann kannst du Sketchnotes sehr gut nutzen.

Fast alle Aufgaben, in denen du etwas dokumentierst, planst, analysierst, entwickelst oder erkundest, sind dafür geeignet, mit Sketchnotes bearbeitet zu werden.

Visuelle Notizen vs. Sketchnotes

Damit dich in Zukunft so ein einzelnes Wort nicht mehr ausbremsen kann, Sketchnotes als sinnvolles, ernstzunehmendes Arbeitswerkzeug zu nutzen, lade ich dich zu einem Gedankenexperiment ein:

Ich nenne Sketchnotes im Weiteren einfach mal konsequent anders:

Visuelle Notizen.

Und du schaust, was das mit deiner Wahrnehmung macht.

visuelle Notiz

Halte einen kurzen Moment inne und lass den Begriff gedanklich nachklingen: Visuelle Notizen. (Ja genau, auch im Englischen firmieren „ernsthafte“, also funktionale Sketchnotes im beruflichen Kontext als visual notes.)

  • Was verändert sich in deiner Wahrnehmung dadurch?
  • Wie ist deine Assoziationskette jetzt?
  • Verschiebt sich die Betonung in deinem Kopf auf „Notizen“ und „visuell“ wird eher zum Nebenaspekt? Ein Nebenaspekt, der vielleicht gar nicht mehr so einschüchternd/wichtig wirkt?

Der Ausdruck „visuelle Notizen“ beschreibt meiner Meinung nach viel treffender, was Sketchnotes eigentlich sind, nämlich 1.) Notizen, die 2.) eine visuelle Komponente in sich tragen.

Und wie gesagt, das Visuelle sind nicht die Bilder, sondern die Struktur:

Notebook Sketchnote

Warum ist eine visuelle Struktur besser?

Der Vorteil von visuellen Notizen ist, dass inhaltliche Zusammenhänge besser erkennbar sind (bestenfalls tatsächlich auf einen Blick). Durch die intuitive Struktur wird es für dich leichter, Inhalte zu erfassen, sie zu verstehen und sie dir dadurch auch langfristig besser zu merken.

Warum ist das so?

Das Schreiben mit Buchstaben und die (lineare) Schriftsprache sind evolutionär gesehen eine ziemlich neue Entwicklung. Üblicherweise folgen Texte, insbesondere Fließtexte, einer linearen Struktur. So wie dieser Text hier auch. Du liest ihn von links nach rechts und von oben nach unten.

Aber Sprache ist mehr als das Aneinanderreihen von Buchstaben. Sprache ist das Denken in Mustern und Zusammenhängen.

Die Hirnareale, die für das Gedächtnis zuständig sind, sind auch dafür zuständig, eine räumliche Kartierung anzufertigen. Sie merken sich also nicht nur, was du aufschreibst (oder liest), sondern Sie merken sich auch, wo etwas steht.

Buch zu Sketchnote

Deswegen ist es auch sinnvoller, wenn du für deine Notizen analoge Materialien wie Stift und Papier verwendest, statt zum Beispiel ein Tablet.

Zum einen kannst du Text – anders als bei digitalen Werkzeugen – nicht so einfach hin und herschieben oder löschen. Zum anderen hilft dir auch die räumliche Begrenzung des Papiers. Ein Blatt hat nur eine bestimmte Größe und Ausrichtung.

Du musst dich also bewusst dafür entscheiden, wo du welche Inhalte platzierst. Wenn das Wichtigste in der Mitte stehen soll, dann ist dir das vor deinem inneren Auge schon klar, bevor du es aufs Papier setzt. Du planst bevor du tust (und zwar innerhalb weniger Sekunden) und aktivierst damit schon die räumliche Kartierung in deinem Gehirn – und gleichzeitig auch dein Gedächtnis.

Mit einer visuellen Notiz baust du sofort ein räumliches Konstrukt auf, du verortest die Inhalte im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Papier. Und das ermöglicht es dir, die Zusammenhänge später sehr schnell wieder zu rekapitulieren und dich an die Inhalte zu erinnern.

[Wenn du mehr dazu wissen möchtest, empfehle ich dir das Buch „Lernen braucht Verstehen“ von Henning Beck – kannst du in den meisten Stadtbibliotheken ausleihen, oder du bestellst es über deine lokale Buchhandlung.]

Die lineare Struktur aufbrechen

Bei linear angelegten Notizen bleiben inhaltliche Zusammenhänge zwischen den Abschnitten optisch unsichtbar – außer, du machst mit deinen Texten das hier:

Zeitung Sketchnote

Und genau das ist schon der erste Schritt in Richtung visueller Notiz. Du identifizierst die Kernaussagen aus einer größeren Menge von Informationen. (Kernaussagen sind die Informationen, die für dich jetzt gerade relevant sind.) Du markierst sie und setzt sie durch Linien oder Pfeile optisch zueinander in Beziehung.

Für deine visuelle Notiz ist entscheidend ist, dass du die lineare Struktur aufbrichst.

Schreibe die Kernaussagen am besten blockartig auf. Wo auf dem Blatt du anfängst, ist dabei fast egal. Wichtiger ist, dass Dinge, die inhaltlich miteinander zu tun haben, näher zusammenstehen, und Dinge, die nicht miteinander verwandt sind, auf dem Blatt weiter voneinander entfernt sind. Wenn du etwas Platz zwischen den Blöcken lässt, kannst du die Zusammenhänge anschließend bequem mit Verbindungslinien oder Pfeilen sichtbar machen.

Du brauchst keine Zeichnungen

Für diesen Prozess brauchst du keinerlei Zeichentalent, denn du musst nichts zeichnen. Außer du möchtest.

Das, was visuelle Notizen für dein Gehirn und deine Merkfähigkeit so hilfreich macht, sind

der bewusste, aufmerksame Umgang mit Informationen („Was sind die Kernaussagen?“) und

die sinnvolle, logische Anordnung dieser Kernaussagen zu einen „Schau-Bild“ (selbst, wenn das „Bild“ nur Textblöcke enthält).

Bilder und Symbole sind keine Dekoration

Die Beispiele von visuellen Notizen in diesem Beitrag kommen mit sehr, sehr wenigen Bildern aus.

Das ist überhaupt der Schlüssel zu visuellen Notizen: Halte es einfach. Je weniger Firlefanz 😉 dir im Weg steht, desto leichter und schneller kommst du ins Tun und profitierst sofort davon in deinem Alltag.

Du kannst auf Bilder komplett verzichten oder einfache Bilder und Symbole nutzen, wenn du möchtest. Setze sie dann aber bewusst als optische Anker ein. Optische Anker sind niemals Dekoration, sondern bringen dir immer einen Mehrwert. Sie helfen dir, dich auf dem Blatt und in deiner Notiz zu orientieren. Sie erfüllen also eine Funktion. Wie Straßenschilder.

Straßenschilder Sketchnote

Wenige und gezielte Bildsymbole sind dabei hilfreicher als eine überbordende Fülle, die aussieht wie ein Wimmelbild und eher verwirrt als Klarheit schafft.

Und wie bei Straßenschildern gilt: Je einfacher die Darstellung ist, desto besser erkennbar ist ihre Funktion.

Du siehst: Auch hierfür brauchst du kein Zeichentalent. Wenn du dir zutraust, ein Dreieck um ein Ausrufezeichen zu malen, kannst du loslegen.

 

DIE ESSENZ in 10 Sekunden

Du profitierst von Sketchnotes, wenn dein Gehirn dein wichtigstes Arbeitswerkzeug ist.

Sketchnotes haben mit Zeichnen nicht viel zu tun.

Streiche das Wort „Sketchnotes“ fürs Erste aus deinem Wortschatz,
benutze konsequent „visuelle Notiz“.

Das Visuelle sind nicht die Zeichnungen, sondern die Struktur.

Dein Gehirn liebt sichtbare Zusammenhänge und Muster, so merkt es sich Inhalte besser.

Mach es übersichtlich: Brich die lineare Struktur deiner Notizen auf.

Verwende Bilder nur als visuelle Anker – oder verzichte ganz auf sie.

Und jetzt schnapp dir ein Blatt Papier, den nächstbesten Stift und leg los!

Ich weiß, du kannst das! 🙂

Du brauchst noch ein bisschen mehr Anleitung? Dann lade dir meine kostenlose Sketchnote-Starthilfe herunter:

Darin findest du nur die absolut notwendigen Elemente für visuelle Notizen. Für dich vorgefiltert und ausgewählt, damit du sofort starten kannst. Inklusive Vorlage für deinen persönlichen Spickzettel.

Ich wünsche dir viel Spaß damit!

Deine Viktoria

P. S.: Hast du für deine nächste visuelle Notiz alles, was du brauchst? Oder drückt akut irgendwo der Schuh?
Keine Scheu – lass mich wissen, wie ich dich bei deinen nächsten Schritten unterstützen kann und hinterlasse gerne einen Kommentar. Ich freue mich auf deine Nachricht!

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

Ich helfe dir, mit visuellen Notizen Zusammenhänge sichtbar zu machen, Wissen zu sichern und im Gedächtnis zu verankern.

Am 3. Juli ist Schluss mit langweiligen PowerPoint-Folien! Sei beim Workshop „Präsentiere dein Angebot visuell überzeugend“ dabei: