Lese­zeit: 9 Minu­ten | aktua­li­siert: 06.05.2021

Visu­elle Noti­zen sind hand­schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen, die land­kar­ten­ar­tig struk­tu­riert sind und das Wich­tigste auf den Punkt brin­gen.

Eine andere Bezeich­nung für visu­elle Noti­zen sind Sketch­no­tes. Nach über 15 Jah­ren als „Sketch­note­rin“ und vier Jah­ren als „Sketchnote“-Trainierin habe ich mich bewusst dafür ent­schie­den, statt Sketch­note lie­ber visu­elle Notiz zu sagen.

Was sind also visu­elle Noti­zen genau?

1. Visuelle Notizen sind Notizen.

Das häu­figste Miss­ver­ständ­nis, das mir begeg­net, klingt in etwa so: „Ach, das sind doch diese Zeichnungen.“

Ääähm… nein. Das sind Noti­zen. Ziem­lich effek­tive und effi­zi­ente Noti­zen sogar. Und mei­ner Mei­nung nach zu schade für ein „krea­ti­ves Hobby“, denn du kannst beruf­lich damit eini­ges rei­ßen. Rich­tig ein­ge­setzt kön­nen sie dich bei der Arbeit ent­las­ten, dich auf neue Ideen brin­gen und dir jede Menge Zeit sparen.

Lass mich also festhalten:

Visu­elle Noti­zen sind keine Zeich­nun­gen, sie die­nen nicht zur Deko­ra­tion. Du machst sie nicht, um sie ein­ge­rahmt an die Wand zu hän­gen. Obwohl es auf Insta­gram manch­mal so aussieht. 😉

2. Visuelle Notizen müssen keine einzige Zeichnung enthalten.

Wie bei jeder ande­ren Notiz steht auch bei visu­el­len Noti­zen der Inhalt im Fokus.

Deine eigene Hand­schrift ist des­halb das wich­tigste Ele­ment dei­ner Noti­zen. Visu­elle Noti­zen funk­tio­nie­ren wun­der­bar ohne Bil­der und Sym­bole, ohne Text wird es aber schwie­rig – denn wie sonst soll­test du Infor­ma­tio­nen kurz und prä­gnant fest­hal­ten können?

Viele mei­ner visu­el­len Noti­zen ent­hal­ten keine ein­zige Zeich­nung, sind aber visu­ell struk­tu­riert. Die Struk­tur ist eigent­lich das ganze Geheimnis. 😉

Ich finde mich des­we­gen schnell in mei­nen Noti­zen zurecht, weil ich die Prio­ri­tä­ten auf einen Blick erken­nen kann. Das kann ich wun­der­bar auch nur mit Schrift, ein paar Linien und etwas Farbe bewir­ken, wenn ich weiß, wie es geht.

Trotz­dem spricht nichts dage­gen, auch Sym­bole und sehr ein­fa­che, redu­zierte Zeich­nun­gen zu ver­wen­den. Dann aber gezielt: Nur für die aller­wich­tigs­ten Aspekte in der Notiz und in sinn­vol­ler Kom­bi­na­tion mit dem Text.

Bil­der (und ins­be­son­dere Bild-Wort-Kom­bi­na­tio­nen) hel­fen dir dabei, dir Inhalte bes­ser zu mer­ken und sie län­ger zu behal­ten. Rele­vante For­schung dazu fin­det sich in der Dual Coding Theory, der Kogni­ti­ven Theo­rie des mul­ti­me­dia­len Ler­nens und dem dar­aus abge­lei­tete Pic­ture Supe­rio­rity Effect.

3. Visuelle Notizen haben eine visuelle Struktur.

Visu­elle Noti­zen sind land­kar­ten­ar­tig auf­ge­baut. Das macht sie – im wahrs­ten Sinne des Wor­tes – über­sicht­lich. Anders als bei einer linea­ren Notiz (z. B. einer To-Do-Liste) schreibst du Inhalte nicht ein­fach hin­ter- oder unter­ein­an­der, son­dern dort­hin, wo es sinn­voll ist.

Text zu Sketchnote © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Nor­ma­ler­weise lesen wir im Deut­schen von links nach rechts und von oben nach unten. Und wir bekom­men bei­gebracht, auch so zu schrei­ben. Das ist eine rein lineare Struk­tur, und die ist in vie­len Zusam­men­hän­gen auch sinn­voll. Zum Bei­spiel, wenn man einen Auf­satz oder einen Bericht schreibt. Dann gibt uns diese Struk­tur Ori­en­tie­rung, denn wir wis­sen genau, wo es im Text weitergeht.

Es gibt aber Situa­tio­nen, in denen die lineare Struk­tur im Weg ist. Zum Bei­spiel, wenn du einen Auf­satz oder einen Bericht planst. Wenn noch nicht fest­steht, was alles Inhal­ten du auf­neh­men wirst und in wel­cher Rei­hen­folge, dann hilft es, eine fle­xi­blere Struk­tur zu nut­zen. Eine, die sich orga­nisch ent­wi­ckeln darf.

Das­selbe gilt auch für Bespre­chungs­no­ti­zen. Manch­mal sprin­gen Men­schen beim Spre­chen zwi­schen ver­schie­de­nen The­men hin und her, selbst wenn es eine feste Agenda (=lineare Struk­tur) gibt. Und dann hilft es, wenn du dei­nen Noti­zen von vorn­her­ein eine fle­xi­blere Struk­tur und den ein­zel­nen The­men genü­gend Raum gönnst. So kannst du auch nach­träg­lich noch Punkte dort ergän­zen, wo sie inhalt­lich hingehören.

Visu­elle Noti­zen sind von ihrer Struk­tur her also eher Gedan­ken- oder The­men-Land­kar­ten (und sel­ten Auflistungen).

4. Visuelle Notizen nutzen die gesamte Fläche eines Blattes.

Punkte, die inhalt­lich zusam­men­ge­hö­ren, ste­hen näher bei­ein­an­der. Punkte, die nichts mit­ein­an­der zu tun haben, sind auch räum­lich wei­ter von­ein­an­der ent­fernt. So wie frü­her bei der Grüpp­chen­bil­dung auf dem Schulhof. 😉

Ein Bei­spiel für eine visu­ell struk­tu­rierte Notiz ist die Mindmap.

brainwriting-mindmap-visuelle-notiz  © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

Das Schöne ist: Du musst nicht vor­her schon wis­sen, wo der „rich­tige“ Platz für einen Inhalt ist, weil sich das orga­nisch beim Auf­schrei­ben ergibt.

Mit einer visu­el­len Struk­tur kannst du Zusam­men­hänge leich­ter dar­stel­len bzw. erken­nen. Auf einen Blick ist sicht­bar, wie sich die Inhalte zuein­an­der ver­hal­ten: Gehö­ren ein­zelne Punkte zu einer gemein­sa­men Kate­go­rie? Beein­flus­sen bestimmte Aspekte ein­an­der? Ist eine bestimmte Abfolge wich­tig? Wel­che sind Gegen­sätze gibt es?

Der Inhalt bestimmt auch die Form, also die Blatt­auf­tei­lung der Notiz. Wenn ein (zeit­li­cher) Ablauf im Mit­tel­punkt steht, ist eine andere Struk­tur zweck­mä­ßig, als wenn es um die Zuord­nung zu bestimm­ten Kate­go­rien geht.

5. Visuelle Notizen sind inhaltlich fokussiert und auf das Wesentliche reduziert.

Visu­elle Noti­zen ent­hal­ten sel­ten ganze Sätze. Übli­cher­weise ist der Text schlag­wort­ar­tig oder im Tele­gramm­stil gehal­ten, und die ein­zel­nen Punkte sind oft kom­pakte Text­blö­cke mit kur­zen Zei­len. Damit erleich­terst du es dir, Infor­ma­tio­nen schnell wie­der­zu­fin­den. Kurze Text­blö­cke erfas­sen wir beim Über­flie­gen als Gan­zes, in lange Zei­len muss man tat­säch­lich erst reinlesen.

was-sind-visuelle-notizen © Viktoria Cvetković | bebildert.eu

6. Visuelle Notizen sind handschriftlich.

Das ist der ein­fachste, schnellste und ablen­kungs­frei­este Weg, Text visu­ell struk­tu­riert anzu­ord­nen. Und das Schrei­ben mit der Hand hat außer­dem viele Vor­teile für die Merk­fä­hig­keit.

Ob du dabei lie­ber ana­log mit Stift und Papier arbei­test oder digi­tal mit Pen und Tablet, ist dabei nicht so ent­schei­dend. Bei­des hat Vor- und Nachteile.

In digi­tal erstell­ten Noti­zen kannst du Dinge leich­ter kor­ri­gie­ren, löschen, ver­schie­ben oder in der Größe ver­än­dern. Das ist prak­tisch, birgt aber auch die Gefahr, sich in den Details der Bear­bei­tung zu verlieren.

Ana­loge Noti­zen sind oft schnel­ler gemacht, denn ein lee­res Blatt Papier bie­tet weni­ger Ablen­kung als eine digi­tale Ober­flä­che mit unzäh­li­gen Schalt­flä­chen. Und auch der ver­meint­li­che Nach­teil, Dinge nicht so leicht kor­ri­gie­ren zu kön­nen, kann manch­mal ein Vor­teil sein. Zumin­dest bei mir ist das so. Ich stelle fest, dass ich mir beim ana­lo­gen Schrei­ben schnel­ler klar über die Inhalte bin und mich spä­ter an mehr erinnere.

Viel­leicht liegt es daran: Digi­tal kann ich meine Gedan­ken auf der Ober­flä­che belie­big ver­schie­ben, ana­log ordne ich sie schon im Kopf.

7. Visuelle Notizen sind primär für dich selbst.

Du musst sie nie­man­dem zei­gen – genauso wenig wie andere Noti­zen auch. Nur weil sie durch ihre nicht­li­neare Struk­tur anders aus­se­hen (und viel­leicht mehr Farbe oder Sym­bole ent­hal­ten, als „übli­che“ lineare Noti­zen), heißt das noch lange nicht, dass du ande­ren Men­schen erlau­ben musst, dir beim Schrei­ben aufs Blatt zu star­ren oder das Aus­se­hen dei­ner Notiz zu kom­men­tie­ren oder sie gar zu beurteilen.

8. Visuelle Notizen können aus mehreren Seiten bestehen.

Manch­mal frage ich mich, woher die Annahme kommt, die visu­elle Notiz zu einer zwei­stün­di­gen Bespre­chung müsste auf ein ein­zel­nes DIN A4-Blatt pas­sen. Bei einer linea­ren Notiz ver­lan­gen wir das doch auch nicht von uns selbst.

Also: Nie­mand zwingt dich, alles auf ein ein­zel­nes Blatt zu quet­schen. Auch wenn dir die Bil­der im Inter­net viel­leicht etwas Ande­res vorgaukeln.

Visu­elle Noti­zen aus Bespre­chun­gen oder Wei­ter­bil­dun­gen bestehen bei mir regel­mä­ßig aus meh­re­ren Sei­ten. Wenn du mehr Platz brauchst, dann brauchst du mehr Platz. So ein­fach ist das.

Klar ist es manch­mal von Vor­teil, alles auf einem Blatt zu haben – näm­lich wenn es um grund­sätz­li­che Über­sich­ten geht. Also etwa um einen Tages­plan, die Kapi­tel­über­sicht eines Fach­buchs oder eine grobe Seminarkonzeption.

Die detail­lier­ten Inhalte hin­ge­gen brau­chen nicht in die Gesamt­über­sicht. Es ist ein­fa­cher, für ein­zelne Aspekte aus der Gesamt­über­sicht wie­derum eine eigene visu­elle Notiz als Über­sicht anzulegen.

Dann blei­ben die Über­sich­ten auch übersichtlich. 😉

 

Wie sind deine Erfah­run­gen mit visu­el­len Noti­zen? Nutzt du sie im All­tag regel­mä­ßig – und wenn ja: wofür?  Lass es mich gerne in den Kom­men­ta­ren wis­sen! Ich freue mich auf deine Nachricht! ⇓⇓⇓

Hi, ich bin Viktoria.

© Viktoria Cvetković bebildert.eu

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